Autor: Wolff von Rechenberg

Spießgesellen vor dem Ausschuss

Frank Walter Steinmeier hat heute vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss zum Fall Murat Kurnaz ausgesagt. So wie er die Dinge sieht, war damals alles in Butter: Es gab nie ein Angebot der Amerikaner, Kurnaz freizulassen, aber weil es das Angebot nicht gab, haben er und Innenminister Otto Schily 2002 schnell mal entschieden, dass Kurnaz auch nicht mehr einreisen darf. Schließlich war er ja kein deutscher Staatsbürger. Toll eigentlich, dass wir noch dieses altmodische Abstammungsrecht haben. Die Franzosen hätten Kurnaz zurücknehmen müssen, wenn er dort geboren worden wäre. Und natürlich, wenn es denn ein Angebot der Amerikaner gegeben hätte, Kurnaz freizulassen. Aber das gab es ja nicht. Außerdem – ich meine, abgesehen davon, dass die Amerikaner Kurnaz gar nicht freilassen wollten – hat der Steinmeier von seinen klugen Geheimdiensten erfahren, dass der Kurnaz gefährlich ist. Dass die als zuverlässigste Quelle für ihre Einschätzung Else Kling aus der Lindenstraße vorweisen konnten, braucht doch den damaligen Kanzleramtsminister in seinen Maßanzügen und seinen blank gewienerten Schuhen nicht zu stören. Aber, Gott sei Dank wollten die Amis den Kurnaz ja gar nicht loswerden. Und überhaupt: Wer wird denn so kleinlich sein? Nehmt euch ein Beispiel am Schily! Der hat die ganze Schuld auf sich genommen. Rentner müssen ja nicht wiedergewählt werden. Der Schily hat nämlich auch gemeint, dass der Kurnaz gefährlich ist. Deswegen hat er sich auch dafür entschieden, Kurnaz nicht zurückzunehmen, obwohl: Die Amerikaner wollten den ja auch gar nicht freilassen. Und gefährlich war er, der Kurnaz. Der trug sogar einen Rauschebart. Gut … den trägt Wolfgang Thierse auch. Aber der fährt wenigstens nicht nach Pakistan. Obwohl er sich das leisten könnte: Weil er Deutscher ist, müssten wir ihn auch zurücknehmen, wenn die Amis ihn in Guantánamo eingekerkert hätten und nun freilassen wollten. Aber – dem Himmel sei Dank – hat es ja ein solches Angebot der Amerikaner nie gegeben – Kurnaz betreffend, nicht Thierse.
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Einstein würde Metal hören

Armer Albert Einstein: Als er über seiner allgemeinen Relativitätstheorie brütete, gab es nur die Geige, deren fades Schluchzen das Genie zwischen zwei Geistesblitzen erhellte. Heute würde er zur E-Gitarre greifen. Die staatliche englische Universität von Warwick, die zu den besten Englands zählen soll, obwohl sie als ein Kind der Bildungsreform erst 1965 entstanden ist, hat herausgefunden: Hochbegabte Kinder hören lieber Heavy Metal als Klassik. Das ist an sich kein Wunder, denn auch bei den Minderbegabten wird das Votum für Klassik eher dünn ausgefallen sein. Aber hochbegabte Kinder geben Heavy Metal fast genauso häufig als Ohrenschmaus an wie Rock/Pop. Die typischen Streber-Musikrichtungen Klassik und Jazz fielen bei den Jugendlichen komplett durch. Das ist kein Wunder, wer will in der Pubertät schon dabei erwischt werden, wie er Klassik hört?

Brzezinski: Bush betreibt Gehirnwäsche

Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater unter Jimmy Carter, hat in einem Artikel für die Washington Post harte Kritik an der Anti-Terror-Politik der Regierung von George W. Bush geübt. Das berichtete der Deutschlandfunk gestern gegen Abend in seinen Hörfunknachrichten. Brzezinski soll der US-Regierung vorgeworfen haben, das Land in einem dauernden Klima der Angst zu halten, das es anfällig für demagogische Politiker macht. Brzezinski soll die Zeit seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 in seinem Artikel als eine „fünfjährige Phase der Gehirnwäsche“ bezeichnet haben. Die Sache erlangt deswegen ein gewisses Gewicht, weil der Scharfmacher in der Regierung Carter als einer der gedanklichen Wegbereiter der Neokonservativen, kurz Noecons, gilt, jener Denkschule, die den Scherbenhaufen amerikanischer Weltpolitik zu verantworten hat.

Wo der Putz von den Wänden fällt

Schimmel an den Wänden, einsturzgefährdete Decken! So hausen nicht etwa unsere Soldaten in Afghanistan, sondern die Daheimgebliebenen. Das hat der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Reinhold Robbe, jetzt in seinem Bericht bemängelt. Wer nicht den Wehretat der Amerikaner hat, muss wohl Prioritäten setzen. Und da hält man lieber die Stuben am Hindukusch in Ordnung, wo alle Nase lang mal ein Minister vorbeischaut, als die daheim, wo allenfalls mal der Wehrbeauftragte seine Nase hinein steckt. Einen positiven Nebeneffekt hat die Sache: Der Spieß muss sanfte Töne anschlagen, sonst fällt der Putz von den Wänden.

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