Ubuntu-Linux wird immer besser, seine Versionsnamen nicht. Dapper Drake (Eitler Erpel) brachte der geplagte Ubuntu-User schon nur noch zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. Aber Edgy Eft? Das soll „Nervöser Molch“ heißen. Lieber Mr. Shuttleworth, wie gut dass das Urheberrecht uns vor Ubuntu 7.04 – Porky Pig schützt. Genug gemault: Ich habe einmal mehr einen Upgrade über das Internet probiert. Zunächst zeigte Synaptic vertretbare zwei Stunden an geschätzter Downloadzeit an, die schnell zu drei Stunden und in die frühen Morgenstunden wuchsen. Abbrechen! InstallationsCD ins Fach! Ich hatte mir zuvor die Alternate-CD heruntergeladen. Auf die Erfahrung, wie glatt das grafische Installationsprogramm arbeitet, war ich nicht neugierig. Die Installation selbst verläuft bei Edgy wie gewohnt. Root-Partition formatiert, Home-Verzeichnis erhalten, Benutznamen und Passwort eingegeben, der Rest ist eine Frage von einer knappen halben Stunde. Zunächst einmal: Die Experimantalversion, die Edgy nach dem soliden Dapper zu werden gedroht hatte, ist es nicht geworden. Bis jetzt ist nur Firefox (Edgy setzt schon auf 2.0) durch einige Abbrüche aufgefallen. Dabei spielt der neue Gnome eine seiner größten Stärken aus: Bei Programmabbrüchen schickt er auf Wunsch weitgehend selbstständig Fehlerberichte an die Entwicklergemeinschaft. Da wir bei Gnome sind: Endlich kann auch der Gnome-Dateimanager Nautilus Dateirechte rekursiv, d.h. für alle in einem Ordner enthaltenen Dateien, vergeben. Außerdem haben sich die Startzeiten für Programme teilweise stark verkürzt und Edgy bootet subjektiv noch schneller als Dapper. Eine Bereicherung ist auch Tomboy. Habe ich den Sinn der gelben Zettel bei Gnome nie recht eingesehen, Tomboy ist das Werkzeug für kurze kreative Ergüsse. Es verwaltet alle Notizen und kommt mit einer Suchfunktion. Das sind die großen Neuigkeiten. Ansonsten hat Ubuntu hier und da am Artwork gefeilt. Auch Wanda, den wahrsagenden Fisch , haben die Gnome-Entwickler optisch aufgemöbelt. Leider erzählt er immer noch keine neuen Witze.
Autor: Wolff von Rechenberg
Schnüffelei im Bienenstaat
Ach wären wir Menschen doch wie die Bienen, hört man immer wieder: Selbstlos nur dem Wohl des Kollektivs und ihrer Majestät der Königin untertan. Der Individualismus ist der Anfang allen Übels, sagen die Kulturpessimisten. Insektenforscher haben die Legende vom emsigen, anspruchslosen Insekt nun zerstört: Arbeiterinnen bei staatenbildenden Insekten beugen sich vor allem der sozialen Kontrolle. Tom Wenseleers und Francis Ratnieks wollten herausfinden, warum Arbeiterinnen keine eigenen Nachkommen hervorbringen, obwohl sie Eier legen können. Die Forscher vom Wissenschaftskolleg zu Berlin haben neun Wespenarten und die Honigbiene Apis mellifera untersucht. In den Staaten dieser Insekten gibt es jeweils nur eine Königin, die Eier legt. Die Forscher fanden heraus: Arbeiterinnen oder die Königin zerstören Eier, die von Arbeiterinnen gelegt werden. Der Bienenstaat mit seinen sich gegenseitig auf Normeinhaltung kontrollierenden Bewohnerinnen ähnelt einer deutschen Kleinstadt wesentlich mehr als wir gedacht haben.
Wahlkampf in Zeiten der neuen Medien
US-Senator George Allen muss um seine Wiederwahl fürchten, weil er sich über einen Videofilmer lustig gemacht hat. Das Video landete beim Portal Youtube. Nun gerät der Politiker unter Druck. Wahlkampf in den Zeiten der Usermedien: Wblogs, Podcasts etc.
Zitat
„Wenn ihr das Beste aus eurem Studium macht, eure Hausaufgaben erledigt und euch anstrengt, kann etwas aus euch werden. Wenn nicht, landet ihr im Irak.“
(Der demokratische US-Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat John Kerry zu amerikanischen Studenten)
Wehrmacht am Hindukusch
Nach den pietätlosen Schädelspielen wollten unsere Jungs am Hindukusch ganz offenbar Punkte bei der Bevölkerung sammeln: Sie bemalten Bundeswehr-Fahrzeuge mit Wehrmacht-Symbolen. Auch dafür gab’s heute wieder Druck von der deutschen Öffentlichkeit. Dabei kann man das als vertrauensbildende Maßnahme betrachten. Noch besser wären allerdings Hakenkreuze gewesen. Der Führer steht im Nahen Osten mindestens so hoch im Kurs wie in deutschen Fußballstadien.