Die strategische Allianz zwischen Microsoft und Novell hat eine Selbstfindungsprozess im Lager der Open-Source-Vertreter ausgelöst. Die Frage, die alle bewegt: Heiligt der Durchbruch von Linux alle Mittel? Wie reagiert die Community von Open Suse, auf deren Schultern der Erfolg von Novells Suse Enterprise Linux ruht? Das werben um die vermeintlich Enttäuschten hat begonnen. Den Anfang machte – noch schwer gescholten – der Gründer von Ubuntu-Linux, Mark Shuttleworth. Heute wirbt Warren Togami, der Gründer des Fedora-Projekts, um Beteiligung an der Fedora-Community. Das bringt einen neuen Stil in die Open-Source-Community, die bisher auf Toleranz und gegenseitigen Respekt setzte.
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Kategorie: Tux Area
Linux und Open Source.
Hasta la Vista
Vista geht seit heute an Firmenkunden. Das berichten unter anderem Heise, die Tagesschau und der Standard. Die Begeisterung bei den Letztgenannten hält sich in Grenzen: Zu spät fürs Weihnachtsgeschäft, zu wenig wirklich Neues im System. Microsoft hat sich mit dem Gewürge um Vista offenbar selbst für Mainstream-Medien angreifbar gemacht. Einzig Heise ist der Start der neuen MS-Produkte nur eine Kurzmeldung wert.
Super-Playstation rettet die Welt
Zu uns Europäern kommt Sonys Playstation 3 erst im März 2007. In den Schlagzeilen ist sie aber schon jetzt: Erst erfahren wir, dass Linux drauf läuft und aus der Daddelkiste einen vollwertigen PC macht. Heute berichtet die Netzzeitung, dass die PS3 gegen Krebs, Alzheimer und Parkinson helfen soll. Die Playstation-Gamer rund um die Welt sollen ein kleines Programm installieren, das unbenötigte Rechenleistung für wissenschaftliche Arbeiten bereitstellt. In Anlehnung an Seti@Home könnte man das Projekt vielleicht Seti@Jugendzimmer taufen. Jede Wette: Der Sony-Konzern wird sich noch ein paar nette Kleinigkeiten einfallen lassen, um das alte Europa auf die neue Playstation vorzubereiten. Demnächst werden wir erfahren, dass das Ding Mutti beim Kartoffelschälen hilft, und Opa abends die Zeitung vorliest. Nur, was ist dann mit dem Coolness-Faktor?
PPC ist aus!
So schnell stirbt es sich nur in der IT-Branche. Noch kein Jahr ist es her, dass Apple von der PPC-Architektur zu Intels X86-Prozessoren gewechselt ist. Schon stellen kommerzielle Software-Hersteller an, dass es keine neuen Programmversionen für PPC geben wird. Aber auch die Linux-Distributionen Ubuntu und Fedora stellen nach und nach die Unterstützung für Power PC ein. Ein Ergebnis des Drucks, den Ubuntu mit seinen schnellen Versionswechseln in die Branche gebracht hat. Alle halbe Jahr ein neues Linux. Fedora hat sich dem mittlerweile angepasst. Ebenso wie OpenSuse. Einzige Debian bleibt bei seiner breiten Aufstellung: 11 Rechnerarchitekturen unterstützt das freie Projekt. Da kann es schon dauern, bis die neue Version stabil ist. Der Releasetermin für die nächste stabile Version 4.0 (Etch) ist gerade erst vom 4. Dezember auf den Januar 2007 verschoben worden.
Fuchs heiratet Huhn
Der Nachhall der strategischen Allianz zwischen Novell und Microsoft in der Linux-Community ist unüberhörbar. Vor allem geht es um die Patente. Microsoft will „nicht kommerzielle“ Suse-Entwickler nicht patentrechtlich belangen. Was ist mit den anderen? Das fragt GrokLaw und weist auf die Präambel der General Public License hin, unter der auch Suse-Linux steht. Jedes Produkt, das auf Basis freier Software entsteht, muss auch wieder der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Ein Verstoß wäre es, wenn Microsoft tatsächlich Novell allein mit einem PlugIn versorgt, das das kommende XML-Dateiformat von Microsoft unterstützt. Dieses Hilfsprogramm müsste in OpenOffice eingefügt werden, das wiederum unter freier Lizenz steht. Alle Übereinkünfte haben Novell und Microsoft getroffen, ohne die Community anzuhören.
Dana Gardner von ZDNet hat ein schönes Bild für den Vorgang gefunden: Fuchs heiratet Huhn, beide ziehen in Hühnerhaus. Microsoft hat mit dem Schritt die Open-Source-Bewegung eines wichtigen Mitgliedes beraubt und sich gleichzeitig Zugang zu den Wurzeln freier Software verschafft.