Weil also die Kohle so überaus billig ist, kauft unser Kunde auch gern mal Qualität. Da geht ein Aufschrei der Begeisterung durch die Kumpelkolonie: Wir haben es gewusst! Der Leser, Zuhörer oder Zuschauer weiß eben doch, was gut ist. Sofort stürmen wieder zwanzig neue Kumpel in das Kaff, schuften nachts an der Tankstelle und fahren ansonsten in die Grube, kommen mit ihren Kohlen hinauf und zeigen sie den Kollegen: Seht mal, wie mir dies Brikett gelungen ist! Damit der Laden läuft, verteilen die Minengesellschaften Preise. Bei deren Verleihung werden rote Teppiche ausgerollt und Frauen darüber geführt, denen die Brüste aus dem Dekolletée hüpfen. Sex sells – auch im Bergwerk der Abiturienten und der Promovierten. Die Preisträger werden als Lichtgestalten herumgezeigt. Sie halten allen Kumpels Den Spiegel vor, um zu zeigen: Das kannst du auch schaffen, wenn du Die Zeit der unterbezahlten Wühlerei überstehst. Sieben Mal wirst du die Flasche sein, aber einmal auch im hellen Schrein.
Kategorie: Ansichtssache
Die Welt aus meiner Sicht
Ergebnisse des Tages
Hertha BSC schlägt Hannover 96 mit 3:1 Toren und in Hamburg schlägt die CDU alle anderen Parteien mit absoluter Mehrheit (Spiel läuft noch).
Der Journalismus: Eine Hinrichtung II
Doch obwohl der Kunde sich einfach nur die klammen Finger wärmen möchte und zur Qualität seines Brennstoffes ein entspannteres Verhältnis hat als zum Preis, drängen immer neue Bergarbeiter in unser kleines Arbeiterstädtchen, was es der Bergwerksgesellschaft – nennen wir sie Murdoch Mining Inc. – gestattet, Kohle zu fast jedem Preis anzubieten, denn es findet sich garantiert immer jemand, der unbedingt unter Tage will. Glück für die, die auf der Insel der Glückseligen arbeiten – nennen wir die Konkurrenzfirma Allgemeine Rußgesellschaft Deutschlands. Deren Kohle kriegt der Kunde in den Keller geschüttet, ob er sie haben will oder nicht, und brennen muss sie dafür auch nicht, denn wer dafür nicht zahlt, bekommt Besuch von der Ordnungsmacht.
Kuscheln mit Gerd und George
Das Thema des Wochenendes: Gerd (Schröder) und George (W. Bush) reden wieder miteinander. Bestimmt hat die ganze Welt bang drauf gewartet. Immerhin hätte ewige Funkstille sein können. Man stelle sich vor: Arabella Kiesbauer begrüßt in 15 Jahren in der soundsovielten Ausgabe der Come Back Show mit einer Sensation: Der abgetakelte Kanzler und der davon gejagte Brezelfresser reden nach 15 Jahren wieder miteinander. Toll! Eine Schlagzeile für Bild. Aber so lange können die beiden Staatenlenker, die angezählten Boxern gleich durch den Ring taumeln, nicht warten. Beiden schwimmen innenpolitisch die Felle davon, beide brauchen Erfolge in der Außenpolitik. So führen Gottes bekanntlich verworrene Wege zwei unterschiedliche Ruderer ins selbe Boot: Man glaubt Schröder sagen hören: „Sagen Sie, Mr. President könnten Sie nicht schnell ein Land bombardieren, damit ich wieder nicht dabei sein kann?“
Der Journalismus: Eine Hinrichtung I
Stellen wir uns die Medienbranche als eine Kohlenmine vor: Wir Journalisten sind Diejenigen, die hinabsteigen und die Kohlen hauen. Der eine hat einen super Riecher. Der wittert die Kohle auch durch massive Quarzwände. Der andere muss etwas mühseliger danach graben. Der eine schippt das schwarze Gold aus dem Schacht, wie es aus dem Flöz fällt, der andere haut wundervoll gestaltete schwarze Skulpturen aus dem Gestein. Dem Kunden ist das einerlei. Der schmeißt die Kohle in den Ofen, zuckt die Achseln und sagt: Hauptsache, es brennt. Recht hat er.