Die Sozialdemokraten fürchten den Stammtisch. Warum? Gab es nicht auch den einen oder anderen Arbeiter, der nach der Schicht in den Gasthof ging? Nähern wir uns dem Phänomen über die Wikipedia: „Vor allem in ländlichen Regionen und kleinen Gemeinden war die Zugehörigkeit zum Stammtisch an einen höheren Sozialstatus gebunden. So setzte sich ein Dorfstammtisch bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem aus örtlichen Honoratioren wie dem Bürgermeister, Arzt, Apotheker, Lehrer, Förster oder wohlhabenden Bauern zusammen.“ Weiterlesen
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Japan zensiert das Internet
China zensiert schon lange das Internet. Das Reich der Mitte umgibt eine Firewall so lang und hoch wie die sprichwörtliche Chinesische Mauer. Diktatur, da erwartet man nichts besseres. Aber jetzt will eine Demokratie den Rotstift im Internet ansetzen: Japan. Das berichtet unter anderem die Internetseite Gyaku.jp. Die Ministerien für Inneres und Kommunikation (Somusho) sowie für Erziehung, Kultur, Sport und Technologie (Monbukagakusho) haben sich in einem Bericht vom 6. Dezember 2007 dafür ausgesprochen, das Internet zu zensieren, den Zugang per Handy zu reglementieren und vor allem, die bösen Tauschbörsen zu sperren. Dazu soll es schon detaillierte Anweisungen an die Mobilfunkanbieter geben.
Ausgerechnet Japan, das Land der Mangas und Hentais, die zur Erweiterung des menschlichen Vorstellungsvermögens beigetragen haben, wie sonst nur italienische Splatterfilme. Wie soll eine solche Zensur aussehen? Die Chinesen behaupten, sie kontrollieren jede einzelne Datei, jede Internetseite, jedes Manga oder Hentai. Das kann dauern, und Personal kostet es auch. Schließlich ist Japan nicht China, wo man eben mal 2 Millionen Menschen für ein Schüsselchen Reis Schund sichten lassen kann, ohne dass man dafür ein Ministerium anbauen muss. Ich bin sicher, dass die Stärke der Zensurbehörde längst die Friedensstärke des chinesischen Heeres überstiegen hat.
Keine Frage: Zensieren ist teuer und man macht sich damit nicht beliebt. Vermutlich ist es viel billiger, jeder Schule, jedem Kindergarten einen, zwei oder drei Medienpädagogen zur Seite zu stellen, oder Fachleute in die Elternhäuser zu schicken. Aber das ginge am Hauptzweck vorbei: Am Zurückdrängen einer deregulierten veröffentlichten Meinungsvielfalt. Eine solche erleben wir zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte. für viele Politiker einmal zuviel.
OOXML: Probleme nicht lösen, sondern auslagern
In der Tabellenkalkulation erscheint 1900 fälschlicherweise als Schaltjahr, Daten vor 1900 lassen sich gar nicht erst eingeben, Samstag und Sonntag lassen sich nicht als Werktage markieren, was sie aber beispielsweise in Iran oder Dubai sind und die Rückwärtskompatibilität mit älteren Office-Programmen steht in den Sternen. Heise.de lässt heute noch einmal einige besonders eindrucksvolle Probleme bei Microsofts OOXML-Spezifikation Revue passieren – aus gegebenem Anlass.
Die European Computer Manufacturers Association (ECMA) hat offiziell vorgeschlagen, die größten Problemgebiete aus der Spezifikation Office Open XML (OOXML) herauszutrennen und in einen gesonderten, unverbindlichen Anhang einzubauen. Sehr schön. Im Haus regnet es zwar vom Dach bis zum Keller durch, aber dennoch kann man ja die Hütte abnehmen. Schließlich will man dem verkorksten Standard, den außer Microsoft keiner braucht, bei der Anerkennung als ISO-Standard die Steigbügel halten.
Wer sich nicht damit abfinden will, dass Millionen für einen Office-Standard verpulvert werden, bei dem die Daten nicht stimmen und der für Historiker oder Menschen außerhalb des christlichen Kulturkreises nichts taugt, der kann eine Petition auf NO OOXML unterschreiben.
Aus für Netscape
Der AOL-Konzern wird den Netscape-Browser ab dem 1. Februar nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgen. Das bedeutet, dass der einstige Marktführer im Browser-Geschäft und Microsoft-Gegner im ersten Browserkrieg um die Mitte der 90er Jahre Geschichte ist. Die FAZ hat der Keimzelle des Firefox-Browsers ein Porträt gewidmet.
Geiz ist nicht mehr geil
Fünf Jahre „Geiz ist geil“ waren genug. Das entschied die Elektronikkette Saturn im Oktober 2007 und beendete damit eine der erfolgreichsten und umstrittensten Kampagnen der neueren Werbegeschichte. Konsumforscher warfen Saturn vor, mit „Geiz ist geil“ das Konsumverhalten der Deutschen insgesamt auf reinen Preisvergleich zu reduzieren. Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ malten alle gemeinsam als Schreckgespenst an die Wand: Moralisten, Ewig-Gestrige, Mitbewerber, Konkurrenten. Sogar die Kirchen meldeten sich zu Wort. Sie warfen dem Elektrohändler vor, die Todsünde Geiz zur Tugend zu verklären.
Im Herbst 2007 plötzlich die Umkehr: Das Konsumverhalten der Deutschen verlagere sich mehr und mehr hin zu hochwertigen Produkten. Saturn kündigte das Ende der Kampagne an. Danach vergingen nur wenige Wochen, dann erklang die Saturn-typische Trommelhymne am Ende der Werbespots plötzlich ohne das vertraute „Geiz ist geil“. Das gebrüllte „Saturn!“ wedelte mit dem Hinterteil wie ein Hund, dem der Schweif fehlte. Wie übereilt Saturn diesen Schritt vollzogen hat, zeigt sich nun beim Jahresbeginn. Ein lahmes „Wir hassen teuer“ ersetzt nun das eingängige „Geiz ist geil“.
Darüber wird sich kein Konkurrent, kein Feuilltonist und kein Kirchenmann erregen. Ob auch der Konsument gleichgültig bleibt, muss das Geschäftsjahr erweisen. Ebenso wird sich erst zeigen müssen, ob das von der Politik wie ein Mantra vorgetragene „Der Aufschwung ist unten angekommen“ tatsächlich bewirkt, dass die Deutschen wie der Sekt statt Selters trinken.