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Platzeck geht in die Provinz

„Wann wir schreiten Seit an Seit“, beginnt die Hymne der SPD, und mutig schreitet die SPD-Spitze dieser Tage in die Provinz. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist im Sommer durch seinen neuen Wahlkreis geradelt (die Brandenburger Stadtteile Plaue und Kirchmöser). Nun meldet die Märkische Allgemeine, dass Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck als Bundestagskandidat in der dünn besiedelten Uckermark antreten will. Die SPD fährt also schweres Geschütz gegen die direkt gewählte Linkspatei-Abgeordnete Irene Wolff-Molorciuc auf. Doch der Landesvater soll auch Flagge zeigen gegen die Rechten, denen in der Uckermark gute Chancen eingeräumt werden. Dass der Ministerpräsident einen Tross von Investoren im Schlepp hat, der die gebeutelte Uckermark wie der flott machen wird, gehört hingegen ins Reich der Legenden.

Folterhandbuch kehrt nach Deutschland zurück

Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Ulla Jelpke, hat das legendäre CIA-Folterhandbuch KUBARK in einer deutschen Übersetzung als PDF-Datei ins Internet gestellt. Das berichtet der Internetdienst Oraclesyndicate. Damit könnte man sagen, das Handbuch sei nach Deutschland zurückgekehrt. Schließlich wird der Schöpfer des Buches, der spätere Harvard-Professor Henry Knowles Beecher schon seit langem beschuldigt, gemeinsam mit dem deutschen Militärarzt Walter Paul Emil Schreiber das Handbuch zusammengestellt zu haben. Schreiber war den Alliierten durch detaillierte Berichte über Menschenversuche im KZ Dachau aufgefallen, hatte aber stets bestritten, selbst daran teilgenommen zu haben. Dabei hatten die deutschen Ärzte genauestens überprüft, wie lange ein Mensch unter Wasser, in extremer Kälte oder Hitze überleben, in Isolation oder unter Schlaflosigkeit überleben kann. Diese Forschungsergebnisse ebneten Schreiber den Weg von der Anklagebank in Nürnberg in die Dienste des US-Geheimdienstes. Für das Folterhandbuch sollen Schreiber und Beecher ebenfalls Menschenversuche an Kriegsgefangenen durchgeführt haben. Dazu sei bemerkt, dass das vorliegende Handbuch eine Übersetzung jener Version ist, die stark entschärft veröffentlicht worden ist, nachdem die Zeitungen auf das handbuch aufmerksam geworden waren. Wer unsere amerikanischen Freunde einmal von einer anderen Seite als in Euro-Disney kennenlernen will oder Vorgänge wie in Guantanamo oder Abu Ghraib verstehen möchte, sollte das Buch unbedingt lesen.

documenta12: Schloss Wilhelmshöhe

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Jetzt betreten wir die letzte Etappe des kleinen Rundgangs über die documenta12: Schloss Wilhelmshöhe. Hier hat Roger M. Burgel documenta-Kunstwerke zwischen den alten Meistern versteckt. Was hier nicht schreit oder sich bewegt, geht manchmal zwischen den holländischen Malern unter. Einigen wir uns darauf: Die Begegnung zwischen Tradition und Moderne, die der documenta-Chef im Sinn gehabt hat, lässt sich im Schloss Wilhelmshöhe am besten nachvollziehen.

Krieg im rechtsfreien Raum

Sie sind schwer bewaffnet, haben immer den Finger am Abzug und stellen die drittstärkste Streitmacht im Irak – nach den USA und Großbritannien: die Söldner der internationalen Sicherheitsfirmen. Beispiel: Blackwater USA. Die von drei ehemaligen Navy Seals 1997 gegründeten Sicherheitsfirma schützen US-Einrichtungen und US-Beamte im Irak. Einer Gruppe der Blackwater-Söldner wirft die irakische Regierung jetzt vor, ein Blutbad unter Zivilisten in Bagdad angerichtet zu haben. Sie will die ganze Truppe ausweisen. natürlich bis auf jene, die auf die Zivilisten geschossen haben. Das berichtet BBC. Bei ihrem Krieg im privaten Auftrag und im rechtlosen Raum sind die Söldner keineswegs zimperlich mit Menschenleben. Das zeigt zum Beispiel ein Video bei Youtube:

[youtube]5z0NMKcVHHM[/youtube]

Die Killertruppe, die hier zu Rock’n’Roll-Klängen Menschen wie Tontauben abschießt, gehört zur Firma Aegis des zwielichtigen Engländers Tim Spicer, dessen Vertrag mit den Besatzungstruppen gerade erst verlängert worden sein soll. Zu den Vorwürfen sagt die US-Botschaft im Irak, sie nehme sie ernst. Was soll sie sonst sagen. Die Amerikaner werden nicht glücklich über das Verhalten der käuflichen Rambos sein. Aber sie brauchen sie: Wenn die US-Regierung sie durch reguläre Soldaten ersetzen würde, kämen noch mehr GIs im Staub der Straßen von Bagdad ums Leben. Dann wäre der Irak-Einsatz vollständig unhaltbar.

Zahlen zum Riesengeschäft der so genannten „private contractors“ im Irak hat die AG Friedensforschung der Uni Kassel zusammengetragen.

Korrektur: World Content News berichtet unter Berufung auf die Los Angeles Times, dass die Zahl der modernen Landsknechte im Irak auf 180.000 angewachsen ist. Damit wären sie die stärkste Militärmacht im Irak.

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