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Der Lotse fällt von Bord

Nun verlässt er genau jenen Posten, der in diesem Land einem Feudalherrscher-Thron noch am nächsten kommt. Den des bayerischen Ministerpräsidenten. Wie wird er wohl seinen Schwanengesang anstimmen, der Stoiber Edmund? „Herrschaften, ich sing‘ mir ja keinen Schwan!“ Kondolenz kommt schon jetzt aus den Reihen seiner treuesten Feindbilder. Petra Pau von der Linkspartei würdigt den werdenden Pensionär mit den Worten: „Kein zweiter deutscher Politiker konnte nüchtern soviel unverständliches Kauderwelsch reden, wie er.“ Der Linkspartei geht überdies ein zuverlässiger Wahlkampfhelfer im Osten verloren. Wir alle erinnern uns noch an die Idee, den Ossis den Geldhahn abzudrehen, wenn sie PDS wählen. Oder – eine Bundestagswahl später – Stoibers Ausbruch gegen die „Frustrierten“, die in Deutschland die Wahl entscheiden.

Käse beim Schimmeln zusehen

Und am Ende eines Tages noch etwas für die Wissenschaftsfruende: Haben Sie schon einmal Käse beim Schimmeln zugeschaut? Sicher, können Sie mit einem Blick in den Kühlschrank auch daheim haben. Aber liegt Ihr Cheddar auch schon 208 Tage und 21 Stunden? Na eben. Dann sollten sie einige kontemplative Minuten, Stunden oder gar (schluck!) Tage mit www.cheddarvision.tv verbringen. Don’t try this at home!

Falsch verbunden

Handys haben die unangenehme Eigenart meistens dann zu klingeln, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Wenn man gerade die braune Packpaiertüte aus dem Supermarkt schleppt, in den Armbeugen noch die Kaltgetränke und mit der freien Han nach dem Autoschlüssel fingert, dann bimmelt diese vermaledeite Zwiebel los. Das kennen Sie wahrscheinlich. Und wenn Ihnen das häufiger passiert, dann kommt Selbstmitleid auf. Dabei können Sie froh sein, dass Ihnen nicht dasselbe passiert ist wie der Collegestudentin Shira Barlow in den USA. Die hat nämlich die abgelegte Handynummer der Jet-Set-Queen Paris Hilton bekommen. Das berichtet die englische Ausgabe der Prawda in ihren Fun Reports. Es soll alles damit begonnen haben, dass sich Leute zwischen 2 und 4 Uhr nachts nach den coolsten Clubs in LA erkundigen wollten, berichtet Prawda unter Berufung auf einen Artikel in der Los Angeles Times. Dann – im Mai – wurde Miss Hilton eingebuchtet, und es kamen Beileids-SMS.

Rezession in Avatarien

Schrumpfende Bevölkerung, Abwanderung von Unternehmen… Das kommt Ihnen bekannt vor? Nein, nicht von unserer Bundesrepublik ist die Rede, sondern von Second Life. Es ist noch nicht lange her – auch nach Internetmaßstäben -, dass Firmen sich gegenseitig über den Haufen rannten, um Filialen im virtuellen Leben zu eröffnen. Nissan, Dell, IBM, Mercedes. Nun leeren sich die Auslagen, stehen die virtuellen Showrooms leer. Das berichtet der österreichische Standard. Mercedes ist noch zufrieden, solange die Avatare genannten Spieler weiterhin virtuelle Testrunden in der C-Klasse drehen. Und Adidas ist zufireden: 2700 Paar Schuhe will der deutsche Leibesertüchtigungsausstatter in Second Life verkauft haben. Und noch einer dürfte froh sein: der Springer-Verlag. Mit so viel Katastrophenmeldungen sollte die Second-Life-Ausgabe der Bild-Zeitung bald genauso erfolgreich sein wie die Papierausgabe.

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