Sein Amt hat Akten verschludert und den in Bremen wohnhaften Türken Murat Kurnaz aufgrund von Hörensagen in der Gewalt amerikanischer Schergen belassen: Walter Wilhelm, Chef des Bremer Verfassungsschutzes, hat im Fall Kurnaz ein Beispiel für Schlendrian bei deutschen Geheimdiensten, aber auch von gezielter Desinformation parlamentarischer Stellen geliefert. Jetzt ist zudem herausgekommen, dass Bremens Innensenator Thomas Röwekamp noch kurz vor Kurnaz‘ Freilassung aus Guantánamo bei Bundeskanzlerin Angela Merkel insitiert hatte, der Türke sei ein Sicherheitsrisiko. Im Deutschlandfunk war heute zu hören, Röwekamp und Wilhelm hätten ihr Handeln damit erklärt, dass Kurnaz ins Raster islamistischer Gewalttäter gepasst hat. Wenn das Raster so gut auf Kurnaz gepasst hat, was taugt es dann? Warum will Innenminister Wolfgang Schäuble die Möglichkeiten der Rasterfahndung durch Maßnahmen wie PC-Spionage erweitern, wenn die bisherigen Raster schon nichts taugen? Betreiben wir jetzt Sicherheitspolitik nach dem Motto: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“? Wenn die bisherigen Möglichkeiten der Dienste schon ausgereicht haben, einen Unschuldigen vier Jahre in Guantánamo zu lassen, was können die Schlapphüte mit uns machen, wenn sie noch mehr dürfen? Noch einmal die Frage: Wer schützt uns vor Innenpolitikern, die Amok laufen?
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Angriff der Klon-Schnitzel
Gerade schlagen sich die Europäer mit den Folgen des Klimawandels herum, da droht der EU neue Gefahr: Nach dem Gen-Schnitzel kommt nun das Klon-Schnitzel. Das berichtet BBC. Die Europäische Kommission erwartet, dass um das Jahr 2010 geklonte Lebensmittel in die Nahrungskette eintreten. Und nun raten Sie mal, wer mit gezücktem Besteck an deren Ende sitzt. Die amerikanischen Behörden halten den Verzehr von geklonten Lebensmitteln für sicher, heißt es bei BBC. Aber was heißt das schon? War nicht auch der Irakkrieg eine sichere Sache?
Koalition der Tatenlosen
Im Kampf um die Kinderbetreuung erklimmt die CDU neue intellektuelle Höhen: Zunächst müsse man feststellen, ob es überhaupt Bedarf an neuen Betreuungsplätzen für Kleinkinder gebe, sagt der Bundestagsfraktionschef der Union, Volker Kauder. Klartext: Zählen wir mal Kleinkinder und Kinderkrippen. Wenn wir einmal durch sind, dann sind die Kinder schon im Vorschulalter, dann können wir wieder von vorn anfangen. Und irgendwann wird das Problem einer biologischen Lösung zugeführt sein. Die könnte darin bestehen, dass
– (a) die Altkonservativen aus der Adenauerzeit gestorben sind.
– (b) der Geburtenrückgang soweit fortschreitet, dass die Krippenplätze plötzlich ausreichen.
Nichts ist symptomatischer für die Große Koalition der Nichtstuer. Unsere Kanzlerin und die Ihren beten täglich: Lieber Gott, lass es die EU entscheiden: Rauchverbote, Klimaschutz, Mindestlöhne.
Linux in der Schule
Der Schulbezirk Bexley (Ohio, USA) hat alle Desktop-Computer auf Linux umgestellt. Das berichtet Desktoplinux.com. Der Schulbezirk war dazu gezwungen, weil er neue Computer gekauft hat, auf denen das gewohnte Windows ME nicht mehr problemlos lief. Eigentlich ignoriere ich solche Wasserstandsmeldungen, in denen die Tux-Fans das Anwachsen ihrer Nische bejubeln. Aber hier liegen Zahlen auf dem Tisch: 412.000 Dollar soll der Schulbezirk dadurch gespart haben, berichtet Desktoplinux unter Berufung auf die örtliche Tageszeitung. Der gesamte EDV-Etat habe im vergangenen Jahr hingegen nur 159.000 Dollar betragen. Die von ME gewohnten Anwendungen lässt die Behörde übrigens im CrossoverOffice unter Linux laufen. Sie sollen nach und nach durch Open Source Software ersetzt werden.
CD-Tipp: Freundliche Reisende
Foto: Carmen Brucic
Duos haben im Jazz einen festen Platz. Aber Gitarre und Schlagzeug? Wolfgang Muthspiel (Gitarre) und Brian Blade (Drums) haben sich dieser Herausforderung gestellt, und mit „Friendly Travelers“ ein Album geschaffen, das den normalerweise Bodenhaftung verleihenden Bass nicht vermissen lässt. Brian Blade entlockt den Trommeln und Becken selten gehörte Fülle und Harmonie. Brian Blade begreift als einer der ganz wenigen Drummer sein Schlagzeug als mehrstimmiges Musikinstrument. Auch im Zusammenspiel mit Wolfgang Muthspiel zeigt er diese seltene Fähigkeit, für die einzelnen Klangkörper des Schlagzeugs eigene Stimmen zu führen.
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