Und wieder ein totes Kind. Vernachlässsigt von der Mutter verdurstet. Diesmal in Sömmerda (Thüringen). Darüber berichteten heute die Tagesthemen. Das Kuriose: Diesmal scheinen alle Alarmsignale funktioniert zu haben. Die Nachbarinnen informierten rechtzeitig das Jugendamt. Das sofort anrückte und zweimal vor verschlossener Tür stand. Gibt es jetzt endlich erweiterte Befugnisse für das Jugendamt? Dürfen die Beamten demnächst die Tür eintreten bevor das Kind tot ist? Fehlanzeige: Familienministerin Ursula von der Leyen strickt weiter an der Mär vom grausamen Jugendamt, das den Leuten die Kinder raubt. Sie setzt will stattdessen bei der Schnittstelle zwischen Medizin und Jugendamt die Frühwarnsysteme verbessern. Warum Leute, die ihre Kinder verhungern oder verdursten lassen, die Routineuntersuchungen für Kleinkinder einhalten sollten, das ergibt wohl nur unter dem Goldhelm der Ministerin einen Sinn.
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Straffrei für kleines Geld
Eben noch im Fadenkreuz von Justiz und lästigen Journalisten, heute schon für kleines Geld auf freiem Fuß und nicht mal vorbestraft? Das will ich auch, sagt sich der angeschossene Siemens-Aufsichtsratschef und Innovationsberater der Bundesregierung und engagierte die gleichen Rechtsanwälte, die schon Josef Ackermann wegen mangelnden öffentlichen Interesses aus dem Kreuzfeuer zogen. Denkfehler, Herr von Pierer: Sie müssen auch noch versuchen, die gleichen Richter zu kriegen.
Polonium geht um die Welt
Jetzt ist Polonium in Hamburg aufgetaucht. Der Russe, so scheint es, zieht eine tödliche Spur durch Europa. Mein Opa hat das immer geweissagt, aber er ahnte nicht, dass das mit Polonium geschehen würde. Kunststück! Selbst die Londoner Ärzte des verstorbenen Ex-Agenten Litwinenko sollen anfangs nichts geahnt haben. Bis sie mal den Geigerzähler auf Visite mitnahmen.
Man fragt sich: Wie lange killt der russische Geheimdienst schon unliebsame Leute mit Polonium. Die Polen sollten jedenfalls eiligst ihren Papst (Johannes Paul II.) ausbuddeln. Mit dem Geigerzähler ist der bestimmt noch nicht untersucht worden.
Auffällig ist, dass bisher alle außer Litwinenko den Anschlag überlebt haben. Ist ja auch schwierig zu dosieren. In der Wikipedia erfahren wir, dass schon 12 millionstel Gramm ausreichen, um einen Menschen niederzustrecken. Da kann man sich schon mal in der Dosierung verhauen.
Wer kann schon 12 millionstel Gramm in sich reinschaufeln? Da sitzen also russische Atomwissenschaftler in geheimen Labors und teilen 12 Millionstelgrammportionen Polonium nochmal in kleinere Darreichungsformen und ermahnen den Geheimdienstschergen: „Gib ihm sechs Portionen, Boris, sonst hält man’s für Schnupfen!“
Kann der russische Geheimdienst, kann irgendein Geheimdienst so blöd sein, dass er es nicht schafft 12 millionstel Gramm gezielt zu verabreichen? Wie haben die eigentlich den Kalten Krieg überlebt, wenn die noch dümmer sind als James Bond erlaubt?
Aber vielleicht liegt es ja an den Opfern. Haben Fish & Chips Litwinenkos Abwehrkräfte geschwächt? Man weiß es nicht. Genauso wird man nie erfahren, ob der russische Geheimdienst FSB Litwinenko auf dem Gewissen hat, oder doch die Dissidenten, die Putin was anhängen wollen. So behauptet beispielsweise Herr Pflugbeil auf Tagesschau.de.
Singen in der Stadt
Foto: Wikimedia
Das Stadtleben ist nun mal hektisch und laut, da muss nicht nur der Mensch gegen anbrüllen, wenn er nach dem Weg fragt oder Konversation machen will, auch die Kohlmeise (Parus major) muss die Kakophonie des Straßenlärms übertönen. Deshalb singt sie lauter, höher und in kürzeren Abständen als ihre Artgenossen auf dem Land. Das berichtet die Netzzeitung. Wer’s nicht glaubt, findet die Kohlmeisen Top Ten hier.
Tux lernt Kurdisch
Die Linux-Distribution Ubuntu gibt es jetzt auch auf Kurdisch. Das berichtet Linux.com unter Berufung auf die türkische Zeitung Milliyet. Die türkische Regierung reagiert verstimmt. Genau aus diesem Grund gab es bisher kein Betriebssystem in kurdischer Sprache. Gibt es einen besseren Beweis für den Nutzen von freier Software? Einen Konzern kann die Türkei unter Druck setzen, aber keine weltweite Gemeinschaft, die an kommerziellem Erfolg nicht interessiert ist. Ein kurdisches Linux war eine Frage der Zeit.