Für die deutschen Katholiken kann es nur einen ernsthaften Kandidaten für das höchste deutsche Staatsamt geben: Den obersten deutschen Katholiken, den eisernen Kardinal. Joseph Kardinal Ratzinger ist der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre – gleichsam der letzte Großinquisitor – und deshalb schon von Berufs wegen ein moralisch integrer Mann. Ratzinger schwingt das Evangeliar wie ein Schwert – gegen Schwule, Frauen und zur Not auch gegen Harry Potter.
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Deutschland sucht den Bundespräsidenten
Heute haben sich die Gewerkschaften zur Wahl des bürgerlichen Kandidaten geäußert. Horst Köhler sei zu wirtschaftsnah. Wenn jetzt auch die Gewerkschaften bei der Auswahl eines geeigneten Kandidaten mitreden dürfen, dann steht die Tür auch anderen offen. Anlass für mich, in den kommenden Tagen mögliche Kandidaten der Parteien und Verbände auf Herz und Nieren zu prüfen.
Kohl erinnert sich
Wie können diese kargen Worte darstellen, welche Brisanz, welch historische Tragweite hinter dieser Nachricht steckt. Zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse haben sich immer wieder mit der skurrilen Architektur von des Pfälzers Gehirn befasst. An Parteispender sollte er sich erinnern – wir erinnern uns an Flick – oder an schwarze Kassen, die schließlich allen außer Kohl selbst zum Stolperstein geworden sind. Ernsthaft geschadet hat der Skandal um die schwarzen Kassen ja niemandem. Immerhin kommt jemand, der einst mit Koffern voll Bargeld durch die Republik gereist ist, heute schon wieder als Bundespräsident in Frage. Aber jetzt erinnert sich Kohl und seine Geschöpfe – Koch, Schäuble etc. – werden hoffen, dass er sich nicht zu genau erinnert.
Phänomene des Alltags: 1Live
Auch die letzte Tür besteht aus schwerem Glas (gepanzert?). In der Ecke gegenüber der Tür lauert eine Überwachungskamera auf eine falsche Bewegung. Meine Frage, ob Osama bin Ladn heute noch erwartet wird, bescheidet der 1Live-Mitarbeiter mit der Auskunft, der habe zumindest keinen Termin. So ändern sich die Zeiten: Heute sitzen schlecht rasierte Mittzwanziger in schwarzen T-Shirts in den Hochsicherheitstrakten der Hochhäuser. Früher lauerten sie mit dem Molli in der Hand vor der Tür oder veranstalteten Strick-Ins im Foyer.
Phänomene des Alltags: Media-Park, Köln
Der Mediapark in Köln ist einer der unangenehmsten Orte auf diesem Planeten. Hier stehen Glasbauten mehr oder weniger zusammenhanglos am Rande eines Teichs. Ein kleines Brücklein hier, ein paar Arkaden dort. Das ganze wirkt so konzeptlos wie in der Auslage eines fliegenden Händlers: Jetzt alles zum halben Preis! Alles muss weg! Sie wollen den Würfel da drüben? Kein Problem, soll ich ihn einpacken? Wie? Aber natürlich liefern wir auch frei Haus. Nur weg damit! Im Grunde sollte man den, der diese Einöde Park getauft hat, geteert und gefedert vor die Stadt tragen. Im Grunde gibt es nur einen passenden Namen für diese Wüste in zentraler Lage: Media-Friedhof Freunde des gepflegten Stabreims aus dem Kinderprogramm dürfen auch Media-Mausoleum sagen.