Mit dem Klapprechner im Zwischenstadtzug

Ich schreibe diese Zeilen auf einem Klapprechner. Nicht auf einem Laptop, Notebook, Netbook, sondern auf einem Klapprechner. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lässt jetzt in seinem Ministerium die Anglizismen ersetzen. Dort müssen jetzt schon Beamte ihren Laptop Klapprechner nennen. Der Minister will mit der Aktion jedoch auch ein Signal zur Umkehr im gesamten deutschen Sprachraum setzen. Deshalb schreibe ich jetzt also auf einem Klapprechner.

Die deutsche Sprache bedarf hier einer Präzisierung. Der Laptop steht nur für bratpfannengroße Klapprechner, der Klapprechner selbst kennt solche Größenunterschiede noch nicht. Mein Rechner ist ein Netzbuch. Das hört sich an wie der Schinken, in dem meine Oma die Zugverbindungen zwischen Bad Sooden-Allendorf und Bad Bevensen nachzuschlagen pflegte, meint aber einen kleinen Klapprechner.

Nun, das sind Kinderkrankheiten der deutschen Sprache beim Betreten ungewohnten Terrains. Ramsauer hat Recht. Dennoch wird dem Bahnfahrer etwas mulmig bei der Sache. Wenn der Bahnverkehr in Deutschland unter Schnee, Eis und Schlendrian zusammenbricht, der zuständige Minister aber lieber den Anglizismen den Krieg erklärt, wird dem Bahnfahrer mulmig ums fröstelnde Herz. Wenn die Züge ohnehin ausfallen, könnten sie das auch mit Bezeichnung in Kanton-Chinesisch tun. Die Durchsagen im Zug meinetwegen auch. Der Unterschied würde kaum auffallen. Die Durchsagen besitzen auch im Deutschen keinerlei Informationswert. Wer regelmäßig fährt, weiß, dass der Kaffeeautomat defekt und der Zug verspätet ist.

Ramsauer sollte sich ein Beispiel an den Guttenbergs nehmen

Ramsauer sollte sich ein Beipsiel an den Guttenbergs nehmen. Der Bundeswehr geht es doch nicht besser als der Bahn: veraltetes Kriegsgerät, pummelige Soldaten und die Briefmarken gehen aus. Aber sucht der Freiherr zur Hardthöhe darum den Sieg auf dem Feld der Sprache? Nein. Wenn Karl Theodor zu Guttenberg Verkehrsminister wäre, würde er jeden Tag mit der Prinzgemahlin in die Sardinenbüchsen der Bahn steigen, würde gestressten Geschäftsreisenden und schlaftrunkenen Pendlern Mut zusprechen, und Johannes B. Kerner würde eine Talkshow mit den Guttenbergs aus dem Bistrowagen des IC Norddeich Mole senden. Verzeihung, Herr Ramsauer. Ich meine natürlich den Zwischenstadtzug Norddeich Mole.

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