In Guantánamo ist offenbar die Zeit für Bekenntnisse gekommen. Alles was Chalid Scheich Mohammed in der vergangenen Woche noch nicht gestanden hat, das bekannte nun Walid Mohammad bin Attash in Guantánamo. Das Attentat auf den US-Zerstörer Cole im Golf von Aden 2000 sowie auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998. Unglaublich, dass die Terrorverdächtigen nun, Jahre nach ihrer Ergreifung, ausgerechnet jetzt auspacken. Wo sie sich doch gerade an Lagerkluft und -küche gewöhnt haben sollten. Nicht auszudenken, was Murat Kurnaz jetzt noch gestanden hätte, oder was jeder von uns unter der Folter gestanden hätte. Das gruseligste ist aber Folgendes: Unsere Geheimdienste beugen das Recht bis es bricht, um in Lauerstellung am Darmausgang amerikanischer Geheimdienste jede noch so geringe Information aufschnappen zu können. Und was bekommen wir? Lückenhafte Befragungsprotokolle, mit langen Listen von Beweisen, die außerhalb der Terroristenvoliere in Guantánamo noch nie ein Mensch zu sehen gekriegt hat.
Autor: Wolff von Rechenberg
Beckstein sucht Spitzel im Hörsaal
Morgens schon wieder verschlafen. Haare föhnen? Rasieren? Keine Zeit, die Mensa schließt ja gleich. Also mit dem Handtuch um den Kopf und unrasiert zur Suppe. Wer sich dann auch noch gegen den Leberkäse entscheidet, auf den warten vielleicht schon am Ausgang der Mensa Becksteins Büttel. So hat er sich das gedacht, der bayerische Innenminister. Günther Beckstein hat heute Studierende wie Professoren dazu aufgerufen, mögliche Islamisten anzuzeigen. Das hat der Deutschlandfunk heute gemaldet. Anzeigen? Wegen was? Wegen Ausübung einer Religion? Zu dumm, dass der Terrorist ja zumeist erst Terrorist ist, wenn sich die Rauschschwaden verzogen haben. Gilt das Ausrollen des Gebetsteppichs auf dem Campus schon als Indiz für einen Anhänger von Hasspredigern? Die Ludwig-Maximilian-Universität hat sofort geschaltet, die Hacken zusammengeschlagen und Vollzug gemeldet – und hat ihr Einverständnis sofort wieder zurückgezogen. Sich wohl daran erinnernd, dass in der weltweiten Wissenschaftler-Community Inquisition Reloaded kein Kassenschlager wird.
Dabei ist die Idee nicht einmal schlecht. Aber für Islamisten? Im vergangenen Jahr ereigneten sich täglich zwei rechtsextreme Gewalttaten, im gleichen Zeitraum kam es zwar zu einem verhinderten islamistisch motivierten Anschlag auf zwei Bummelzüge, aber kein Mensch kam durch islamistische Gewalt in Deutschland ums Leben. Rechtsextreme Terroristen brachten hingegen seit der Wiedervereinigung 136 Menschen um. Wo bleibt der staatsbürgerliche Spitzeldienst gegen diese Form des Terrors? Oder ist Ihnen rechte Gewalt schon zu alltäglich, Herr Beckstein?
Gründerzeit-Desktop

Ach ja, was waren das für Zeiten… Im schnellen Wandel der Hard- und Software vergessen wir manchmal, dass der Rechenknecht, damals noch belächelt, erst vor 20 Jahren den Sturm auf unsere Wohn- und Arbeitszimmer angetreten hat. Da wirkt so ein Atari-Desktop wie oben schon wie ein kostbares Gründerzeitmöbel. GUIdebook hat Screenshots längst vergessener Computerbetriebssysteme versammelt. Und sogar die Installationsanleitung von vergessenen Kostbarkeiten wie OS/2 – damals an Microsofts Jahre zu früh beworbenen Windows 95 gescheitert – findet sich auf dieser Seite. Viel Spaß beim Stöbern.
Ratten wissen, wann sie aufgeben müssen
Noch eine weitere Eigenschaft muss der Mensch nach Meinung der Verhaltensforscher mit dem Tier teilen, in diesem Fall mit der Ratte: Ratten wissen, wann eine Aufgabe für sie zu schwer wird, behaupten Allison Foote und Jonathon Crystal von der US-amerikanischen University of Georgia in Athens, Georgia. Die beiden Wissenschaftler haben Ratten mit ständig schwieriger werdenden Tonfolgen konfrontiert. Entschieden sie richtig, ob eine Tonfolge länger oder kürzer war als die vorhergehende, bekamen sie eine Belohnung. Eine kleine Belohnung erhielten sie aber auch, wenn sie das Experiment verweigerten. Jo schwieriger der Test wurde, desto häufiger lehnten Ratten die Teilnahme ab und nahmen lieber den sprichwörtlichen Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Angesichts solch komplexer Kosten-Nutzen-Überlegungen seitens der Nagetiere, wird die Zeit erweisen, wann sich Ratten für Vorstandsposten bei DAX-Unternehmen empfehlen.
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Schlampige Geheimdienste und amoklaufende Innenpolitiker
Sein Amt hat Akten verschludert und den in Bremen wohnhaften Türken Murat Kurnaz aufgrund von Hörensagen in der Gewalt amerikanischer Schergen belassen: Walter Wilhelm, Chef des Bremer Verfassungsschutzes, hat im Fall Kurnaz ein Beispiel für Schlendrian bei deutschen Geheimdiensten, aber auch von gezielter Desinformation parlamentarischer Stellen geliefert. Jetzt ist zudem herausgekommen, dass Bremens Innensenator Thomas Röwekamp noch kurz vor Kurnaz‘ Freilassung aus Guantánamo bei Bundeskanzlerin Angela Merkel insitiert hatte, der Türke sei ein Sicherheitsrisiko. Im Deutschlandfunk war heute zu hören, Röwekamp und Wilhelm hätten ihr Handeln damit erklärt, dass Kurnaz ins Raster islamistischer Gewalttäter gepasst hat. Wenn das Raster so gut auf Kurnaz gepasst hat, was taugt es dann? Warum will Innenminister Wolfgang Schäuble die Möglichkeiten der Rasterfahndung durch Maßnahmen wie PC-Spionage erweitern, wenn die bisherigen Raster schon nichts taugen? Betreiben wir jetzt Sicherheitspolitik nach dem Motto: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“? Wenn die bisherigen Möglichkeiten der Dienste schon ausgereicht haben, einen Unschuldigen vier Jahre in Guantánamo zu lassen, was können die Schlapphüte mit uns machen, wenn sie noch mehr dürfen? Noch einmal die Frage: Wer schützt uns vor Innenpolitikern, die Amok laufen?