Autor: Wolff von Rechenberg

Terrorkampf am Brenner

Im Kampf gegen einen Terrorismus, der in Deutschland bisher noch nicht ein Todesopfer gefordert hat, wirft die Bundesregierung nun auch die letzten bürgerlichen Freiheitsrechte über Bord. Die Anti-Terror-Datei ist da. Aufs Stichwort meldet der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, zu Wort. Die Terrorgefahr sei schon wieder gestiegen, erfahren wir. Noch mehr gestiegen? Wieviel Steigerungen für das Innenministermantra von der Terrorismusbedrohung gibt es denn eigentlich? Die Anti-Terror-Einsätze in Afghanistan sind daran schuld, sagt der Verfassungsschutzpräsident. Wirklich? Warum kämpfen wir denn dann dort gegen den Terror, wenn dadurch die Terrorgefahr hier steigt? Na, dann ist unser Risiko also gestiegen. Wahrscheinlicher ist für uns nach wie vor der Tod durch Zigarettenrauch. Wo bleibt die Anti-Raucher-Datei? Noch mehr Menschen sterben im Straßenverkehr. Wo sind die KSK-Helden, wenn die Testosteron- und Benzin-Rambos mit Lichthupe über die Autobahn fegen, in ihrem VW Kamikaze (5-Liter-Motor, Breitreifen, Dolby-5.1-Surround-Anlage)? Wer schützt uns vor denen? Wie wäre es mit Alkohol- oder Nikotinentzug in Guantánamo?

Verfassungsschutzpräsident Fromm fährt keinen VW-Kamikaze, sondern allenfalls einen Phaeton. Aber, damit er den nebst Chauffeur behält, muss er immer neue Terror-Warnmeldungen absetzen, selbst wenn sich dabei herausstellt, dass die vermeintlichen Terroristen von ihrer Tat viel weniger wissen als der Verfassungsschutz. Ist ja kürzlich gerade erst passiert.

Der Einsatz des wackeren Verfassungsschutzpräsidenten könnte ein Beispiel für andere Behörden geben. Wenn das Bundesverteidigungsministerium dem bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber endlich bei seinem Kreuzzug gegen die Türkei sekundieren würde, bin ich ganz sicher, dass wir bald wieder über eigene Atomwaffen diskutieren, weil uns Gefahr droht vom Natoverbündeten Türkei, oder von Liechtenstein oder von Malaysia. Warum Liechtenstein oder Malaysia? Weiß ich doch nicht. Bin ich Verteidigungsminister? Seid kreativ, Leute. Positiver Nebeneffekt: Die Terrorgefahr würde im Inland weiter steigen, weil die Bundeswehr im Terrorkampf am Brenner steht. Liechtensteiner Selbstmordterroristen mit präparierten Geldkoffern? Wer weiß.

FAZ schreibt richtig

Die letzten Ortographie-Dissidenten geben das Falschschreiben auf. Wie der Deutschlandfunk gestern berichtete, will die Frankfurter Allgemeine Zeitung jetzt auch zur geltenden Rechtschreibung übergehen. Angeblich seien die gröbsten Fehler mittlerweile beseitigt. Vielleicht hat aber auch die zusätzliche Arbeitsbelastung der Redakteure durch das Umschreiben von zugelieferten Texten (Agenturen beispielsweise) etwas damit zu tun.

Endkampf im Linux-Lager?

Die strategische Allianz zwischen Microsoft und Novell hat eine Selbstfindungsprozess im Lager der Open-Source-Vertreter ausgelöst. Die Frage, die alle bewegt: Heiligt der Durchbruch von Linux alle Mittel? Wie reagiert die Community von Open Suse, auf deren Schultern der Erfolg von Novells Suse Enterprise Linux ruht? Das werben um die vermeintlich Enttäuschten hat begonnen. Den Anfang machte – noch schwer gescholten – der Gründer von Ubuntu-Linux, Mark Shuttleworth. Heute wirbt Warren Togami, der Gründer des Fedora-Projekts, um Beteiligung an der Fedora-Community. Das bringt einen neuen Stil in die Open-Source-Community, die bisher auf Toleranz und gegenseitigen Respekt setzte.
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Hasta la Vista

Vista geht seit heute an Firmenkunden. Das berichten unter anderem Heise, die Tagesschau und der Standard. Die Begeisterung bei den Letztgenannten hält sich in Grenzen: Zu spät fürs Weihnachtsgeschäft, zu wenig wirklich Neues im System. Microsoft hat sich mit dem Gewürge um Vista offenbar selbst für Mainstream-Medien angreifbar gemacht. Einzig Heise ist der Start der neuen MS-Produkte nur eine Kurzmeldung wert.

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