Die Tage werden grauer und kälter. Wir kuscheln uns in die Decke oder an die Partnerin. Doch beim Kuscheln könnte es dann auch bleiben – bei der Partnerin, nicht bei der Decke. Und zwar für all jene, denen beim Autokauf die Grundausstattung zu spartanisch war. Die Wissenschaft warnt: Sitzheizungen beeinträchtigen die Zeugungsfähigkeit. Die normale Temperatur im menschlichen Hodensack betrage 35 Grad Celsius. Der Eierwärmer treibt diesen Wert leicht auf 38 Grad hoch. Also in Zukunft: Immer mir Eisbeutel zum nächsten Zigarettenautomaten, sonst könnte bei der Rückkehr die Familienplanung schon abgeschlossen sein.
Autor: Wolff von Rechenberg
Nordsee 2050
Hitze, Sonne, Haifische. Südsee? Weit gefehlt: In diese Richtung könnte sich unsere dröge, kalte Nordsee bald entwicklen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich die Nordsee erwärmt. Schon jetzt lägen die Lufttemperaturen an der Küste um drei Grad über den für die Jahreszeit üblichen 17 Grad Celsius. Die Anwohner freut’s. Um einen herbstlichen Badeurlaub zu biuchen, ist es 2007 aber wohl noch zu früh. Außerdem haben sich die Wissenschaftler nicht zum Wetter geäußert. Denn Cuxhavens Fluch der Karibik sind nicht Piraten, das ist der Regen.
Linux lernt Beten
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Es gibt Linux-Distributionen, die sich an Desktop-Anwender richten, solche für den Server und einige spezielle zum Steuern von Flugzeugen zum Beispiel. Doch kein Sonderweg in der großen bunten Welt des freien Betriebssystems hat wohl in kurzer Zeit so viel Wirbel aus gelöst wie Ubuntu Christian Edition. Ein Linux für Christen. In der neuen Distribution soll nach Angaben des Distributors Canonical die beste christliche Software mitgeliefert werden, das Bibelstudienprogramm GnomeSword beispielsweise. Der Haken daran: Das Programm scheint derzeit nur in Englisch vorzuliegen. Grundlage ist also die King James Bible und nicht unsere Lutherbibel. Ach ja! Office-Software und dergleichen ist selbstredend auch vorinstalliert. Nur Beten müssen wir noch selbst.
So sehr der Gedanke an ein konfessionelles Betriebssystem zunächst irritiert, eigentlich war es doch nur eine Frage der Zeit, bis Linux- und Kirchengemeinde zueinander finden. Gibt es etwas Selbstloseres als freie Software? Im Falle von Ubuntu kommt noch der anfangs oft belächelte ideologische Überbau hinzu. Immerhin steht das Bantu-Wort Ubuntu südlich der Sahara für Mitmenschlichkeit.
Armer Pluto
Für viele Mitmenschen ist die Sache klar: Früher war alles viel besser. Die Rotfüchse trauern der DDR hinterher, manch einer vom anderen Ende des ideologischen Spektrums schwärmt heute noch von dem österreichischen Psychotiker weiland in Berlin und die Älteren blicken bis zum Kaiser zurück. Plutos Blick wird wehmütig zum Römischen Reich zurück wandern, und gemeint ist hier nicht der Disney-Hund. Gemeint ist der Planet, der keiner mehr ist…
Aber der Reihe nach: Seinen Namen bekam der Himmelskörper von den Römern. Pluto hieß der römische Gott des Totenreiches. Als Kepler und Kopernikus unser Weltbild so zurecht zimmerten, wie es heute noch ist, wurde Pluto ein Planet. Als solcher überdauerte er die Zeiten, sah Kaiser, Diktatoren und Despoten kommen und gehen. Dann kam die Demokratie, und ganz demokratisch durch einfache Mehrheit entschieden Wissenschaftler bei einer Versammlung der International Astronomical Union in Prag, dass Pluto kein Planet mehr sei. Scheißdemokratie, wird er gedacht haben.
Fakt ist: Die Wissenschaftler halten ihn für zu klein. Zu klein! Was ist mit allen Beteuerungen, dass es auf Größe nicht ankomme, dass ein Mann ein Mann sei, ganz egal wie klein sein Pluto sei? Und hat er denn je eine echte Chance gehabt, zu wachsen? So an den Rand gedrängt, wie er ist. Der ewige Kleine, der einsam auf der Außenbahn seine Runden dreht. Jetzt ist er nicht einmal ein Planet, sondern ein „Zwergplanet“. Was ist das anders als ein besserer Gesteinsbrocken? Armer Pluto, wir fühlen mit dir.
Der Nibelungensommer
Kennen Sie Richard Wagner? Ist es nicht schön, im Herbst, beim Fallen der Blätter, in der destruktiven Grandesse des musikalischen Zerstörers zu schwelgen? In einer Welt, in der jede Liebe zum tragischen Tod mindestens eines Liebenden führt. Im Idealfall stürzt sich bald darauf der andere in sein Schwert, oder ins Meer, oder in den Rhein. Es sitzt uns Deutschen im Blut, das Wagnerianische, das unvermeidliche schicksalhafte. Bis heute. Es gibt beispielsweise keine fröhlichen Lieder vom zeitgenössischen Lieblingspoeten der Deutschen, von Xavier Naidoo. Der singt lieber darüber, dass der Weg hart sein wird. Und kurz darauf zieht Deutschlands Nationalelf in die Fußballschlacht gegen den Erzrivalen Italien, wie weiland die Nibelungen zu Kriemhilds Gastmahl an König Etzels Hof. Und genauso schicksalhaft folgt auf den heldenhaften Kampf der sichere Untergang – im Falle der Nationalelf das Spiel um Platz 3.
Fußball ist das eine, der Sommer das andere. Im Sommer sollte doch Bacardi-Feeling herrschen, da sollten schöne junge Menschen leicht bekleidet auf Segelyachten herumlümmeln, und wir Normalverdiener mit dem Sixpack (nicht auf dem Bauch, sondern in der Hand) am Buga-Strand. Vorsicht! Deutsche Pop-Barden lassen nun auch über dem Langnese-Sommer des Jahrhunderts düstere Wolken heraufziehen.
Sebastian Hämer heißt der Unmensch, der uns zu unheilschwangeren Klängen den „Sommer unseres Lebens“ verspricht. Dabei ruft der Text einfach nur dazu auf, den Sommer zu genießen. „Ja, und?“, fragen wir verunsichert, „tun wir das nicht schon ein paar Monate lang?“ Dann fühlen wir die Musik, und wir wissen: Dieser Sommer wird deswegen der unseres Lebens, weil er der letzte sein wird, den wir erleben. Ganz genau. Wir bekommen Krebs! Oh, mein Gott, vielleicht ist noch Zeit! Schnell zur Vorsorge! Ach nee, geht ja nicht: Der Hausarzt sonnt sich ja auf Formentera. Und weil er dort nicht täglich Sebastian Hämer im Radio hört, weiß er vielleicht gar nichts von der Epidemie in der Heimat!
Oder ein Meteorit schlägt ein. Genau in Mitteleuropa! Schnell stürmen wir die Volkssternwarte und schauen aus nach dem Unheilsbringer aus dem All. Wir müssen aber einsehen, dass wir ohne astrophysikalisches Grundstudium leider gar nichts am Himmel erkennen können. Na, vielleicht gehen wir ja noch einmal hin, wenn die Sonne untergegangen ist. Oder lassen Sie uns fliehen! In der Hoffnung, dass das Unheil nur im Sendebereich deutschsprachiger Rundfunksender eintritt. Aber vielleicht weist uns Sebastian Hämer ja nur den Weg! Er ist der Prophet, der den Untergang der Dinge voraussieht. Es gibt kein Entkommen! Wir alle müssen uns ins Unvermeidliche fügen, in Treue verbunden, in Nibelungentreue! Richard, wir kommen!
Bis dahin lasst uns etwas Fröhliches singen. Vielleicht aus dem Evangelischen Gesangbuch?