Da will der Edmund Stoiber die Massen bewegen. Er ruft den Parteifreunden entgegen von der „Glodernden Lut“, bemerkt seinen Fehler und rettet sich rhetorisch ans Ufer der „Lodernden Flut“ – über einige Stationen, die allesamt auch keinen Sinn ergeben. Am 30. September ist nun Schluss mit solchen Bonmots des großen Vorsitzenden. Die Autoren Jürgen Roth, Hans Well und Gert Heidenreich setzen ihm gemeinsam mit den Biermösl Blosn auf der CD Stoibers Vermächtnis ein würdiges Denkmal. Und ein billiges, wenn man bedenkt, dass Stoibers Zitate zu den meistverlinkten im Internet gehören. Aber wer wollte im Kapitalismus über guten Geschäftssinn klagen?
Kategorie: Feuillton
Kultur, Musik, Film, Literatur, Zeitgeist
documenta12: Churchill Madikida: Gipsmasken

Das Sterben an Aids steht im Mittelpunkt des Schaffens von Churchill Madikida. Der Südafrikaner stellt in der Neuen Galerie Särge und Kerzen auf. Er läuft damit aber auch Gefahr, sein eigenes Anliegen zu untergraben. Es gibt einen Unterschied zwischen einem gut gemachten Gruselfilm und einer Geisterbahn. Sehr viel subtiler wirken seine Gipsmasken. Wir kennen Gipsmasken vorwiegend als Totenmasken. Da sie die Gesichtszüge der Menschen genau abbilden, bekommt der Tod hier ein Gesicht. Sehr würdevoll und dramatisch zugleich.
Das hohe C ist verklungen
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Für die Welt ist die Sache klar: Mit Luciano Pavarottis Weltruhm begann auch sein Abstieg. So heißt es heute im Nachruf auf den italienischen Star-Tenor. Im Moment, in dem er sich alles leisten konnte, brach der unmäßige Lebenshunger des am 12. Oktober 1935 geborenen Bäckersohns durch. Und der Pasta-Hunger. Pavarotti ging aus den Nähten. Als er in den 1990er Jahren als Othello in der Metropolitan Opera auftrat, höhnte ein Kritiker, Othellos Racheschrei höre sich bei Pavarotti an wie ein Schrei nach mehr Pudding.
Doch im Moment des Abstiegs im Auge der Kritiker begann Pavarottis Aufstieg im Ohr des Publikums. Nicht im Ohr des geschulten Opernpublikums. Im Ohr des gemeinen Volkes, das nicht einsah, warum es für Pavarottis berühmtes Nessun Dorma den ganzen Turandot von Puccini kaufen sollte. Gemeinsam mit José Carreras und Plácido Domingo schmolz Pavarotti die Herzen der Menschen. Pavarotti jedoch war stets mehr als seine Partner bei den drei Tenören.
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Happy Birthday, CD
Heute vor 25 Jahren begann in Langenhagen bei Hannover, in den Produktionsstätten der damaligen Polygram, die weltweit erste industrielle Produktion einer CD – des letzten ABBA-Albums The Visitors. Die BBC feiert heute dieses Jubiläum. Hintergrund war, dass die beiden größten Elektronikkonzerne der Welt, Sony und Philips, an einem digitalen Tonträger bastelten. Sony an Verfahren zur Digitalisierung von Klängen, Philips an der optischen Speicherung von digitalen Signalen. Für die Schaffung der CD warfen beide Elektronikgiganten ihr wissen in einen Topf. Die Plattenindustrie verlangte gegen Ende der 70er Jahre den neuen Tonträger: Die Plattenabsätze sanken nämlich. Der neue Tonträger sollte die Leute dazu bringen, dass sie alle ihre Platten einfach nochmal kaufen. Das hat funktioniert. So gut, dass Sony schon gegen Ende der 80er forderte, nun brauche man alle fünf Jahre einen neuen Tonträger. Die ersten CDs kamen übrigens auf den Markt, noch bevor der erste Player am 1. Oktober 1982 in Serie ging, wie die Wikipedia notiert. Und sie erzählt auch die nette Geschichte, wie die Größe von 12 Zentimetern zustande kam: Auf 12 Zentimeter Polycarbonat passten 74 Minuten Musik, die Dauer der Aufnahme von Ludwig van Beethovens Neunter Sinfonie, 1951 dirigiert von Wilhelm Furtwängler. Der Klassikfan und Sony-Vizepräsident Norio Ohga liebte diese Sinfonie. und auch wenn seine Lieblingsaufnahme mit Herbert von Karajan nur 66 Minuten dauerte, so plädierte er dafür, die CD so auszulegen, dass auch die längste Aufnahme der Neunte darauf Platz hat. Das war eben die von Furtwängler. Philips bestätigt die Geschichte offiziell.
Wolfgang und die Rentnerband
Jetzt steht es fest: Die Reunion-Tour von Van Halen startet am 27. September in Charlotte (North Carolina). 25 Konzerte sind vorerst geplant. Wenn die Kasse stimmt, wird die einstige US-Heavyrockband Nr. 1 noch einige Auftritte dranhängen. Dabei spielt sicherlich die körperliche Verfessung der gestandenen Fünfziger eine Rolle. Immerhin hopst Gitarristenidol Edward „Eddie“ van Halen schon auf künstlicher Hüfte.
Mit dabei ist wieder Sänger David „Dave“ Lee Roth, der Van Halen 1985 den Rücken gekehrt hat, um mit eigenen Starallüren zu scheitern. Wir erinnern uns: Van Halen ersetzte Dave durch Sammy Hagar, weswegen viele Fans die Band in dieser Zeit in Van Hagar umtauften. CNN hat ein hübsches Video von der Pressekonferenz der Van Halens ins Netz gestellt: Unbedingt anschauen!!! Sehen Dave und Eddie nicht aus wie Siegfried und Roy.
Der extrem kräftige junge Mann am rechten Bildrand heißt Wolfgang Van Halen – Eddies 16-jähriger Sohn. Nun ja, gerde jetzt hat ja CNN darauf hingewiesen, dass die sinken Lebenserwartung junger US-Amerikaner nicht zuletzt durch deren Gewicht erklärt werden kann. Wolfgang wird den Van Halen-Bassisten Michael Anthony ersetzen. Vielleicht der Einzige, der genug Achtung vor der eigenen Legende hatte, um zu Hause zu bleiben.