Kategorie: Feuillton

Kultur, Musik, Film, Literatur, Zeitgeist

Komponistin mit Teamgeist

Maja ChristinaZu den sanften Besenstrichen des Schlagzeugs pumpt ein Kontrabass, elegische Pianoakkorde, eine samtweiche Frauenstimme intoniert „Quiet A Night“. Die Stimme gehört Maja Christina, und „Quiet A Night“ ist der Titelsong ihrer neuen CD, der zweiten, mit der die Schweizer Sängerin um die Gunst des Jazzpublikums in aller Welt wirbt. Das tut sie mit einem Mix aus Blues (A Bitter Night), aus Soul (Darling I Thank You) und aus Funk (Right To Be In Love). Dabei startet Maja Christina zum Rendevouz zwischen Jazz und Pop eher vom Jazzufer. Ihren Musikern lässt sie viel Raum für Soli. Die danken es mit überaus einfühlsamen Improvisationen und einer rhythmisch packenden Begleitung. Kontrabassist Emanuel Schnyder darf sich gar als heimlicher zweiter Star der Platte fühlen. Auch in den Melodien verlässt Maja Christina gern die Pfade dessen, was jeder Hörer gleich mitsingen kann. Bringen wir es auf den Punkt: Maja Christina hat Teamgeist und sie wendet sich an den Musikfreund, der die Erfahrung bereits gemacht hat, dass sich Jazz nicht immer wie bei Norah Jones anhören muss. Für viele Popfans bleibt Maja Christina zu sperrig. Aber schließlich hat sie alle Songs selbst geschrieben und sich damit auch für diesen Weg entschieden. Dafür hat sie eine Sammlung gefälliger, lebendiger Jazzsongs vorgelegt. Allerdings zeigt die Platte auch eine Sängerin, die noch auf der Suche nach einem eigenen Stil ist. Nach etwas, das sie ausmacht, das sie von allen anderen Mitbewerberinnen unterscheidet.

Gesalzene Preise für die Streisand

Barbra StreisandBarbra Streisand (65) zieht den Zorn der Eidgenossen auf sich. So steht es im Musikportal Laut.de. 2250 Franken (1360) Euro kostet ein Ticket für das Konzert der US-Sängerin in Zürich. Das ist die Streisand wert, sagt das Management, schließlich kommt sie sehr selten nach Europa. Zuviel für eine Sängerin, die ihre besten Zeiten hinter sich hat, sagen die Schweizer. Auch Italiener und Franzosen protestieren gegen die gesalzenen Ticketpreise. In Deutschland kommt man da um einiges billiger weg. Laut dem Online-Ticketshop getgo.de müssen Interessenten für die billigsten Tickets 114,50 Euro hinblättern. Die teuerste Eintrittskarte ist für 557 Euro zu haben. Man merkt schon: Deutschland hat noch keinen Mindestlohn. Außerdem findet das Streisand-Konzert hierzulande auf der Waldbühne in Berlin statt, wo man bekanntlich sexy aber arm ist.

Foto: Barbra Streisand live. Scott Fisher/Flickr

100 Jahre John Wayne

John Wayne
Das Bildnis von John Wayne ziert die Wand eines Motels in Utah, jenem US-Bundesstaat, in dem sich der Star radioaktiv verseuchte.

Foto: AntyDiluvian/Flickr

Wenn die Rede auf Schauspieler kommt, die sich eigentlich immer nur selbst spielen, fällt sein Name meist als erster: Marion Michael Morrison, der 1930 vom Regisseur Raoul Walsh den Künstlernamen John Wayne erhielt. Heute vor 100 Jahren kam er zur Welt. Wayne wollte nie etwas anderes sein als die Typen, die er spielte: Der Fels in der Brandung, der seinen eigenen Weg geht. John Waynes Charaktere sind sich selbst höchste moralische Instanz, darin entspricht der 1,93 Meter große Recke seinem Heimatland, den USA. Weniger bekannt sind seine drei unglücklichen Ehen, aber waren nicht auch Waynes Charaktere unfähig zu liebevoller Hingabe? Waren sie nicht alle gezeichnet durch schlechte Erfahrungen in Liebesdingen?
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Cole Porter wird (endlich) ein Star

Cole Porter (9. Juni 1891 bis 15. Oktober 1964) Foto: Wikipedia

Cole Porter bekommt seinen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Endlich – denn immer hin starb der Komponist und Songschreiber schon am 15. Oktober 1964. Unvergängliche Musicalklassiker wie „Kiss Me Kate“ oder „Ein Amerikaner in Paris“ begründeten Porters Ruhm. Songs wie „Night And Day“ zählen überdies zum Kanon der internationalen Jazzszene. Zu Cole Porters Zeiten war Jazz Pop und der Songschreiber musste keine Kunst schaffen. Dazu passt die unvergleichliche Leichtigkeit von Porters Songs. Aber jeder, der gern in den Tiefen der Musik schürft, die er hört, der weiß, wieviel Kunst, Talent und harte Arbeit gerade das verschlingt, was am Ende so einfach durchs Mittelohr säuselt. Dabei liebte Cole Porter Ironie und schwarzen Humor. Denken wir nur an „Well, did you evah?“:

Have you heard? Professor Munch

Ate his wife and divorced his lunch.

Gefunden bei JazzEcho.

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