Wie wir schon erfahren haben, bildete die Rassenidee den Kern nationalsozialistischer Überzeugungen. Schon früh gingen die neuen Machthaber daran, ihr Menschenbild in Recht und Gesetz zu fassen. So ermöglichte das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933“ die Sterilisation von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, ja selbst von Alkoholikern. Ein halbes Jahr nach den Fackelzügen der Machtergreifung griff das Regime damit ins Privateste der Menschen ein. Das mag einen Eindruck davon vermitteln, wie schnell die Hitler-Partei ihre Ideologie staatlich verankern konnte.
1935 verbot ein Gesetz die Eheschließung, wenn die Gefahr von erbkrankem Nachwuchs bestand. Wohlgemerkt: Um als psychisch krank zu gelten, brauchte sich das Individuum lediglich mit manischen Depressionen in psychiatrischer Behandlung befunden haben. Eine Krankheit, die seinerzeit nicht seltener gewesen sein mag als heute.
Ebenfalls 1935, am 15. September, entzog das „Reichsbürgergesetz“ Mitbürgern jüdischen Glaubens die deutsche Staatsbürgerschaft. Damit begann eine wahre Flut von Gesetzen und Verordnungen, die den Juden zunächst die Reisepässe entzog, und die am 15. September 1935 in den Nürnberger Rassegesetzen ihren Höhepunkt erreichte: Berufsverbote, Namensgesetze, Judenstern.
Diese Worte notierte Victor Klemperer am Dienstag, 25. April 1933, in seinem Tagebuch. Victor Klemperer, geboren am 9. Oktober 1881 in Landsberg/Warthe und gestorben am 11. Februar 1960 in Dresden, lehrte von 1920 bis 1935 an der Königlich Sächsischen Technischen Hochschule französische Literatur.
Gute Dinge kommen wieder. So geschehen mit einigen meiner alten Studienarbeiten aus dem Fach Geschichte. Sie sind vielleicht selbst schon ein Stück Geschichte – wenn auch nur meine eigene. Die Texte basieren vielleicht auf Quellen, die nicht mehr ganz taufrisch sprudeln. Dennoch möchte ich sie auf diesem Weg mit der Allgemeinheit teilen. Ganz taufrisch ist allerdings die Rubrik Geschichte in meinem Blog. Ich habe sie eigens für die alten Arbeiten eingerichtet.