Kategorie: Ansichtssache

Die Welt aus meiner Sicht

Lasst die Spiele beginnen

Kölns OB Schramma freut sich, dass die Stadt „Austragungsort“ des Weltjugendtages ist. So steht es in der Mappe, die jeder Journalist zur Begrüßung erhält. Das müssen die Weltmeisterschaften im Singen, Beten und Pilgern sein. Und weil sich der OB so über die vielen Pressevertreter freut, hält er die Weltpresse jeden Abend auf dem stadteigenen Schiff frei. Kölsch und Seegang – eine explosive Mischung für Landratten.
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Mega-Pontifex

Zum ersten Mal in ihrer 49-jährigen Geschichte bringt die Bravo ein Mega-Poster von einem Papst. Damit hat es Benedikt XVI. schneller zur Pop-Ikone gebracht als sein Amtsvorgänger. Johannes Paul II. hatte seine Memoiren in der Bild-Zeitung vorveröffentlichen lassen. In der fraglichen Bravo-Ausgabe wollen sich Stars wie Otto Waalkes oder Oliver Pocher zu Papst und Kirche äußern, und der König des zweideutigen Schüttelreims Snoop Dogg.
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Zum Weltjugendtag und sündenfrei wieder nachhause

Einen Ablass für alle Sünden bekommt, wer den Weltjugendtag besucht und dort beichtet. Ob dadurch weitere Kosten entstehen, ist noch unsicher. Immerhin ist der Ablass eine gute, traditionelle Einnahmequelle der Katholischen Kirche. Für acht Dukaten konnte man sich sogar von vorsätzlichen Tötungsdelikten freisprechen lassen. Derartige „Generalablässe“, wie sie jetzt Papst Benedikt XVI. den Weltjugendtagspilgern versprochen hat, erteilt die Kirche normalerweise ungern und nur zu sehr bedeutenden Anlässen. Im Mittelalter zählten die Kreuzzüge zu diesen Anlässen. Das Schwert ziehen, ein paar Heiden erschlagen und schon blieben der gesamten Sippe die Qualen des Fegefeuers erspart. Beten wir für die Kölner, dass sie nicht das Schicksal von Konstantinopel teilen. Die damals christliche Metropole am Bosporus – heute Istanbul geheißen – wurde 1204 von Kreuzfahrern erobert, verwüstet und ein großer Teil ihrer Einwohner wurde blutig hingemetzelt.
Foto: Wikipedia

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Bayern ist schön!

Das meint zumindest Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. Und vor allem sind die Bayern so klug. Und weil die Bayern so klug sind, müssen sie es auch immer der Republik sagen. Heute ist der kluge Stoiber mal wieder das Gespräch des Tages. Er werde nicht akzeptieren, dass auch die kommende Bundestagswahl in Ostdeutschland entschieden werde, sagte er gestern bei einem Wahlkampfauftritt. Wörtlich: „Die Frustrierten dürfen nicht das Schicksal Deutschlands entscheiden.“
Wir müssen darauf hoffen, dass die Bayern schlau sind, denn sonst müsste die PDS einen Teil ihrer Wahlkampfkostenerstattung an ihren Wahlkämpfer Stoiber abdrücken. Aber bestimmt steckt hinter Stoibers Äußerung eine höhere Weisheit, die wir dummen Hessen nicht kapieren.
Dass Bundestagswahlen im Osten entschieden werden, liegt vor allem an den geringen Parteibindungen dort. Die Wähler in den neuen Ländern sind unkalkulierbarer als die in Hessen oder Baden-Württemberg. Von Bayern ganz zu schweigen. Dort müsste man genaugenommen gar nicht wählen lassen. Es würde dort reichen, ein bestimmtes Wahlergebnis in die Verfassung zu schreiben. Das würde Millionen sparen und das Bundestagswahlergebnis nicht im Mindesten beeinflussen. Das ZDF-Wahlstudio hätte schon am Wahlmorgen erste Hochrechnungen, nämlich die aus Bayern, und schon um die Mittagszeit könnte Stoiber in der Elefantenrunde sitzen. Allein zwar, aber im Rest Deutschlands sind wir nicht so klug wie in Bayern. Wir müssen erst überlegen, wo wir unser Kreuz machen.
Wenn ihr, liebe Bayern, in Zukunft als wahlentscheidend beachtet werden wollt, dann solltet ihr die Republik einfach mal überraschen indem ihr etwas völlig Unübliches wählt. Die PDS zum Beispiel.
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Der Tag der Liebe rückt näher

Ausgerechnet eine Latexhaut liegt über der Vorfreude auf den Kirchentag. Ein Herbergsvater aus Satzvey in der Eifel will gratis Kondome an die Jugenlichen verteilen. Aber der Mann, ein gewisser Dieter Schulz, vermutet nicht als einziger, dass die Weltjugend den Tag der Begegnung allzu wörtlich nehmen wird. Auch die Gewerkschaft der Polizei will Präser verteilen. Allerdings enthält die entsprechende Meldung einen Satz, der nicht nur den Papst verstören sollte: „Schließlich soll der Latex-Einsatz der Gesundheit der Kollegen dienen und nicht als familienpolitische Aussage verstanden werden.“ Bei näherer Betrachtung des Kontextes wird klar, dass sich diese Aussage nicht auf den Weltjugendtag bezieht, sondern auf einen Castor-Transport, bei dem die GdP schon einmal ihre Kollegen mit Kondomen eingedeckt hatte. Offensichtlich befürchtete man damals innige Fraternisierungen zwischen Beamten und Sitzblockierern.
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