Heute haben sich die Gewerkschaften zur Wahl des bürgerlichen Kandidaten geäußert. Horst Köhler sei zu wirtschaftsnah. Wenn jetzt auch die Gewerkschaften bei der Auswahl eines geeigneten Kandidaten mitreden dürfen, dann steht die Tür auch anderen offen. Anlass für mich, in den kommenden Tagen mögliche Kandidaten der Parteien und Verbände auf Herz und Nieren zu prüfen.
Kategorie: Ansichtssache
Die Welt aus meiner Sicht
Kohl erinnert sich
Wie können diese kargen Worte darstellen, welche Brisanz, welch historische Tragweite hinter dieser Nachricht steckt. Zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse haben sich immer wieder mit der skurrilen Architektur von des Pfälzers Gehirn befasst. An Parteispender sollte er sich erinnern – wir erinnern uns an Flick – oder an schwarze Kassen, die schließlich allen außer Kohl selbst zum Stolperstein geworden sind. Ernsthaft geschadet hat der Skandal um die schwarzen Kassen ja niemandem. Immerhin kommt jemand, der einst mit Koffern voll Bargeld durch die Republik gereist ist, heute schon wieder als Bundespräsident in Frage. Aber jetzt erinnert sich Kohl und seine Geschöpfe – Koch, Schäuble etc. – werden hoffen, dass er sich nicht zu genau erinnert.
Phänomene des Alltags: 1Live
Auch die letzte Tür besteht aus schwerem Glas (gepanzert?). In der Ecke gegenüber der Tür lauert eine Überwachungskamera auf eine falsche Bewegung. Meine Frage, ob Osama bin Ladn heute noch erwartet wird, bescheidet der 1Live-Mitarbeiter mit der Auskunft, der habe zumindest keinen Termin. So ändern sich die Zeiten: Heute sitzen schlecht rasierte Mittzwanziger in schwarzen T-Shirts in den Hochsicherheitstrakten der Hochhäuser. Früher lauerten sie mit dem Molli in der Hand vor der Tür oder veranstalteten Strick-Ins im Foyer.
Phänomene des Alltags: Media-Park, Köln
Der Mediapark in Köln ist einer der unangenehmsten Orte auf diesem Planeten. Hier stehen Glasbauten mehr oder weniger zusammenhanglos am Rande eines Teichs. Ein kleines Brücklein hier, ein paar Arkaden dort. Das ganze wirkt so konzeptlos wie in der Auslage eines fliegenden Händlers: Jetzt alles zum halben Preis! Alles muss weg! Sie wollen den Würfel da drüben? Kein Problem, soll ich ihn einpacken? Wie? Aber natürlich liefern wir auch frei Haus. Nur weg damit! Im Grunde sollte man den, der diese Einöde Park getauft hat, geteert und gefedert vor die Stadt tragen. Im Grunde gibt es nur einen passenden Namen für diese Wüste in zentraler Lage: Media-Friedhof Freunde des gepflegten Stabreims aus dem Kinderprogramm dürfen auch Media-Mausoleum sagen.
Phänomene des Alltags: Der Bundespräsident
Gerade ist die eklige Schlammschlacht vorbei. Im Minutentakt sind Politiker wie Wolfgang Schäuble über die Klingen der Parteiproporzbürokratie gesprungen. Jetzt steht fest, wer nach dem Willen von Union und FDP Johannes Rau im höchsten Staatsamt nachfolgen soll: IWF-Chef Horst Köhler. Ein Mann, den die meisten Deutschen nicht kennen. Das ist aber kein Problem, weil die meisten Deutschen auch nicht wisen, wozu ein Bundespräsident gut ist. Also liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, eigentlich soll der Bundespräsi in letzter Instanz Gesetze abzeichnen oder sie bei begründeten Bedenken ans Parlament zurückschicken. Ersteres ist die Regel, letzteres kommt so gut wie nie vor. Denn letztlich bleibt ein Politiker auch im Palais Bellevue was er ist: Ein Büttel seiner Partei. Daneben soll der Präsident im Ausland Ehrenkompanien abschreiten und kluge – am besten geschichtsträchtige – Reden halten. Weil die Kandidaten danach aber nicht ausgesucht werden, haben wir nur zufällig alle paar Jahrzehnte einen Bundespräsidenten, der dabei wirklich eine gute Figur macht. Entweder sind das blasse Apparatschiks wie Herzog, alte Nazis wie Carstens oder alte Männer mit schlecht sitzendem Zahnersatz wie Rau. Nach dem allmählichen Aussterben der alten Nazis bleibt uns nur abzuwarten, welcher der beiden anderen Kategorien der oder die Neue angehört. (Wettangebote unter: Kommentar)