Phänomene des Alltags: Der Bundespräsident

Gerade ist die eklige Schlammschlacht vorbei. Im Minutentakt sind Politiker wie Wolfgang Schäuble über die Klingen der Parteiproporzbürokratie gesprungen. Jetzt steht fest, wer nach dem Willen von Union und FDP Johannes Rau im höchsten Staatsamt nachfolgen soll: IWF-Chef Horst Köhler. Ein Mann, den die meisten Deutschen nicht kennen. Das ist aber kein Problem, weil die meisten Deutschen auch nicht wisen, wozu ein Bundespräsident gut ist. Also liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, eigentlich soll der Bundespräsi in letzter Instanz Gesetze abzeichnen oder sie bei begründeten Bedenken ans Parlament zurückschicken. Ersteres ist die Regel, letzteres kommt so gut wie nie vor. Denn letztlich bleibt ein Politiker auch im Palais Bellevue was er ist: Ein Büttel seiner Partei. Daneben soll der Präsident im Ausland Ehrenkompanien abschreiten und kluge – am besten geschichtsträchtige – Reden halten. Weil die Kandidaten danach aber nicht ausgesucht werden, haben wir nur zufällig alle paar Jahrzehnte einen Bundespräsidenten, der dabei wirklich eine gute Figur macht. Entweder sind das blasse Apparatschiks wie Herzog, alte Nazis wie Carstens oder alte Männer mit schlecht sitzendem Zahnersatz wie Rau. Nach dem allmählichen Aussterben der alten Nazis bleibt uns nur abzuwarten, welcher der beiden anderen Kategorien der oder die Neue angehört. (Wettangebote unter: Kommentar)

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