Kategorie: Ansichtssache

Die Welt aus meiner Sicht

Der kleine Nic in der großen Welt

Nocolas Sarkozy Foto: Guillaume Paumier/Wiki Commons

Da stand er nun, der kleine Nicolas Sarkozy und hatte alles erreicht. Am Wahlabend war das. Vergessen seine Hasstiraden auf randalierende Jugendliche in den Vorständen, die er mit dem Dampfdruckreiniger von der Straße pusten wollte. Anfangs hatte man sich noch nichts dabei gedacht, als er nach wenigen Worten an seine Anhänger in ein Pariser Nobelrestaurant entschwand. Auch als er danach abtauchte, dachte man sich noch nichts. Schließlich hatte er angekündigt, er wolle sich in die Würde des Amtes einarbeiten. Doch jetzt haben ihn Journalisten ausgerechnet auf einer Luxusyacht entdeckt. Jetzt fragt Frankreich: Darf sich Sarkozy seine Ferien von Industriemagnaten spendieren lassen, weil er noch nicht ganz Staatspräsident ist?

Wundern dürfen sich die Franzosen nicht. Der Sohn eines ungarischen Einwanderers und einer französischen Juristin hat nie ein Hehl daraus gemacht, wo er hin wollte. Seine ganze politische Karriere lief auf das höchste französische Staatsamt zu: das des Staatspräsidenten. Den Sprung in den Elysée-Palast hat Sarkozy mit einem Ehrgeiz verfolgt, der an den jungen Jacques Chirac erinnert. Auch Chirac hatte stets den Eindruck erweckt, er werde jederzeit den Freitod wählen, sollte er den politischen Endsieg verfehlen. Mindestens so verbissen wirkte Sarkozy: Elysée oder Tod, keine Gnade für den zweiten Sieger! Der kleine Sarkozy (1,65 Meter) wollte in die große Welt, und die hat er ausgekostet sofort nachdem ihn die Türsteher in die Clubs der Schönen und Reichen einließen. In seiner mangelnden Weitsicht, seinem fehlenden Respekt gegenüber dem Amt ähnelt der Staatspräsident Nicolas Sarkozy einem prominenten Kollegen in dessen frühen Jahren: George W. Bush.

Blaues Auge für die Demokratie

Bei den Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt ist die Demokratie mit einem blauen Auge davon gekommen. 36,5 Prozent Wahlbeteiligung sind geeignet, wohl selbst der CDU die Freude über einen Wahlsieg zu verhageln. Noch nie gingen so wenige Wahlberechtigte zur Urne. Der Rest ist Ritual: Ministerpräsident Wolfgang Böhmer meint, man müsse den Menschen politische Prozesse künftig besser erklären. Was er erklären will, das sagt er nicht, auch nicht, ob die Politik den Bundesbürgern überhaupt noch etwas zu sagen hat. Glück im Unglück: Die rechtsradikale NPD blieb mit 2,6 Prozent der Stimmen hinter allen Befürchtungen zurück.
Wahlergebnisse der Kommunalwahl in Sachsen-Anhalt

Wer verabredet sich mit Wolfowitz?

Paul_Wolfowitz Foto: Orpailleur/Flickr.com

Paul Wolfowitz steht im Mittelpunkt des heutigen Borowitzreport. Wir erinnern uns: Der ehemalige Vize-Verteidigungsminister in der Bush-Regierung und jetzige Weltbank-Präsident steht in der Kritik, weil er einer Freundin in der Weltbank ein fürstliches Gehalt bewilligt haben soll. Millionen von Menschen reagierten auf diese Nachrhicht schockiert, heißt es im Borowitzreport. Sie können sich nicht vorstellen, dass Wolfowitz eine Freundin hat. Millionen Amerikaner fragen: „Wer würde mit Paul Wolfowitz ausgehen?“

Die Antwort kennt David Logsdon von der Universität von Minnesota, der die Verabredungsgewohnheiten von Weltbank-Präsidenten studiert. Er meint: „Jemanden davon zu überzeugen, mit ihm auszugehen, ist keine große Sache für einen Mann wie Paul Wolfowitz. Erinnern Sie sich, dass er der Mann war, der Präsident Bush dazu überredet hat, in den Irak einzumarschieren.“

Oettinger widerruft

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger widerruft seine Behauptung, Hans Filbinger sei ein Nazi-Gegner gewesen. Zwischen den zusammengebissenen Zähnen knirscht er in die Heute-Kameras, dass seine Behauptung so „nicht mehr aufrecht erhalten werden“ könne. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihm die Instrumente gezeigt, hat ihm gedroht, er sei sonst als Ministerpräsident nicht zu halten. Dass die Kanzlerin den Bruch mit einem der stärksten CDU-Landesverbände riskiert, spricht für sie. Aber es zeigt einmal mehr, dass die CDU ein nur schwach kaschiertes Problem mit der Nazi-Vergangenheit hat. Aus dem baden-württembergischen CDU-Landesverband gab es kein Wort der Kritik an Oettingers Rede, und man darf annehmen, dass auch der Rest der Partei kaum aufgemerkt hätte, wenn nicht die jüdische Gemeinde zuerst protestiert hätte. Im Gegenteil: Wir dürfen annehmen, dass Oettinger den Nazi-Todesrichter nur deshalb zum Widerstandskämpfer verklärt hat, weil er in gewissen Kreisen der Union damit punkten kann. Kreise, die der Einfachheit halber jeden gern als Widerstandskämpfer sehen würden, der den Nazi-Terror überlebt hat – auch wenn er höchst aktiv daran mitgewirkt hat.

Sprungschanze ohne Schnee

Skispringen Foto: www.deutschland-tourismus.de

Die Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen wird abgerissen. Aber schon zum Neujahrsskispringen 2008 soll eine neue Schanze stehen. Viel schöner und viel größer als die alte. Bleibt nur zu hoffen, dass man auch mit Rollschuhen da runter springen kann. Schließlich prophezeien die Meteorologen, dass in den Alpen die letzte Schneeflocke bald geschmolzen ist.

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