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China zahlt sich nicht aus

Wirtschaft ist ja so herrlich rational, so logisch: Es würde doch niemand auf die Idee kommen, Fahrzeugbauteile mit einem Fahrradkurier zu verschicken, weil es alle machen, richtig? Falsch! Das haben jetzt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in einer gemeinsamen Studie herausgefunden, die Spiegel Online zitiert. Alle Unternehmen gehen jetzt nach China, aber für jedes dritte zahlt sich dieser Schritt nicht aus. Dumm, dass die Chinesen zwar Flachbildfernseher zusammenschrauben können, die sie sich aber nicht leisten können. Also muss der ganze Plunder, Klamotten, Schuhe, Computer, Flachbildfernseher, wieder nach Europa verschifft werden, damit hiesige Leistungsempfänger sich Richterin Barbara Salesch in HD anschauen können. Und jetzt kommt die sensationelle Entdeckung der Studie: Der Transport von Flachbildschirmen nach Europa kostet Geld! Was der Controler offenbar allzu oft nicht ahnt. Ein schwacher Trost für Pleite gegangene Bäckermeister: Deutsche Industrieunternehmen kalkulieren scheinbar kaum besser.

Blitzkrieg in Australien

„Die Formel 1 spricht Deutsch“, sagt Heiko Wasser zum Saisonauftakt der Königsklasse des Motorsports im australischen Melbourne. Während auf dem Asphalt 22 Monegassen und Luxemburger um den Sieg fahren, zählt der RTL-Moderator deutsche Fahrer, Autos und Motoren. Wenn RTL so weitermacht, dann spielen sie spätestens ab dem Großen Preis von Deutschland abwechselnd Marschmusik und Schuhplattler in den Pausen. Ich sehe schon die Schlagzeilen in der englischen Presse: „Blitzkrieg in Australien.“ Währenddessen stelle ich mir die Frage, ob ich auswandern soll oder ob es reicht, einfach nur der Formel 1 den Rücken zu kehren bis die Zahl der deutschen Fahrer wieder gesunken ist. Der einzige Grund, mir das weiter anzutun, ist mein Fahrer, dem ich die Daumen drücken möchte. Und der heißt Kimi Raikkönen.

Schöne neue Welt mit Microsoft

Wenn Microsofts Plattformen die Welt verbessern sollen, wie es heute bei Winfuture.de zu lesen steht, dann schrillen bei mir alle Alarmglocken. Wenn der Fiat-Konzern Leben und Gesundheit seiner Kunden in die Hände von Microsoft gibt, dann ist das eine Sache. Im günstigsten Fall versuchen wir, den Zündschlüssel zu drehen, die Windschutzscheibe wird dunkel und der Bordcomputer belehrt uns darüber, dass wir nicht die Berechtigung besitzen, das Fahrzeug zu starten. Im ungünstigsten Fall verliert das System auf regennasser Fahrbahn bei 200 Km/h den Treiber für die Traktionskontrolle. Es muss ein beunruhigendes Gefühl sein, in dieser Lage vom Auto zu hören: Neue Hardware gefunden: Vorderachse.

Eine andere Sache ist es, wenn Microsoft beginnt, Verkehrsleitsysteme zu entwickeln – wie im Artikel angedroht. Das kann nur bedeuten, dass das Überqueren einer durch Lichtzeichen geregelten Kreuzung demnächst nur registrierten Verkehrsteilnehmern gestattet sein wird. Und glauben Sie nur ja nicht, dass Sie diese Registrierung umsonst bekämen.

Der Artikel nennt noch weitere mögliche Wirkungsfelder für Microsoft: Da wäre zunächst einmal die Baubranche, oder die Transportbranche und überhaupt das ganze „Infrastrukturmanagement“, was auch immer das bedeuten soll. Vielleicht haben wir vergessen, was Infrastruktur so alles umfasst, weil sie bei uns einfach so funktioniert. Genauso wie unser Transportsystem und unsere Baubranche, oder haben Sie sich schon darüber gewundert, dass Häuser hierzulande einfach stehen bleiben, wenn Kyril oder Wiebke zu Besuch kommen? Das wird sich ändern, wenn die Redmonder da mitmischen.

Struck: Deutschland mit Links in die bessere Welt

Die Linkspartei istauf Bundesebene auch über 2009 hinaus kein Koalitionspartner für die SPD. Das meint zumindest der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck. Struck über die Linke: „Sie würde uns außenpolitisch in die Isolation treiben, finanzpolitisch in den Staatsbankrott führen und sozialpolitisch ins letzte Jahrhundert zurück katapultieren.“

Eigentlich keine schlechten Aussichten: Außenpolitisch in der Isolation? Geht nicht. Da sitzen die Amis schon. Finanzpolitisch im Staatsbankrott? Die Linke muss erst noch zeigen, dass sie die Staatsfinanzen schneller zerrütten kann als es der Regierung Kohl gelungen ist. Und solzialpolitisch ins letzte Jahrhundert? Nun, Herr Struck, es war nicht das schlechteste Jahrhundert. Wenn Schröders Chefeinpeitscher die Linie des Altkanzlers verteidigen will, sollte er des Meisters Argument wählen: „Basta!“

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