Moderne Kunst versteckt sich heute gern in Rätseln. Die documenta 12 zeigt, dass es auch anders geht. Sie ist eine oft plakative, politische documenta. Plakativ wie „Gris-gris pour Israeli et la palestine“ von Abdoulayé Konaté aus Mali. Eine israelische Flagge und ein Palästinensertuch stehen einander gegenüber. Die Israeli sehen sich im oberen Tuch einer Überzahl von Palästinensertüchern gegenüber. Die Palästinenser sehen sich bedroht durch Davidsterne. Die aufgenähten Stoffwürste heißen „gris-gris“ und gelten in Mali als Glücksbringer.
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Karzai macht Ernst
Afghanistans Präsident Hamid Karzai hat Untersuchungen über die zivilen Opfer der US-geführten Militäraktionen im Süden des Landes angekündigt. Das meldet Al Jazeera. Ein Sprecher von Karzai wiederholte das Klagelied der Amerikaner: Talibankämpfer benutzten Zivilisten als Schutzschilde. Etwas anders sieht das Ali Shah, ein Mitglied der Königsfamilie, die 1979 von den Sowjets entmachtet worden ist. Es sei ein Wunder, dass die Bevölkerung noch nicht geschlossen in den Dschihad gegen die Westmächte gezogen sei, soll er laut Al Jazeera gesagt haben: „Sie zerren Leute mitten in der Nacht aus ihren Häusern, sie bombardieren Dörfer und töten Unschuldige. Und dann sagen sie: Ups, das war ein Fehler.“ Der Vorgang zeigt, wie groß der Unmut gegen Amerikas Krieg gegen den Terrorismus tatsächlich ist, und wie sehr der Premier mittlerweile unter Druck steht. Er riskiert, er gerät immer mehr in die Lage, Diejenigen aus dem Land zu werfen, die seine Herrschaft sichern.
15 Jahre Mobilfunk in Deutschland
Fast wäre das Jubiläum spurlos an uns vorüber gegangen: Seit 15 Jahren gibt es Mobilfunk in Deutschland. Am 30. Juni 1992 wurde in Deutschland das erste GSM-Netz frei geschaltet. Daran erinnert das Technikportal Xonio. Anfangs eine elitäre Sache, brachte die Konkurrenz schnell günstigere Preise fürs Handy. D2-Mannesmann – heute Vodafone – und dann Eplus rangen mit dem Platzhirsch D1 – heute T-Mobile – um die Vormacht im Markt.
Heute hat sich Vodafone als Volksempfänger an die Spitze gesetzt. T-Mobile ist die Wahl der Funkloch-Paranoiker, und Eplus ist was es immer war: Ein Netz mit überschaubarer Tarifstruktur. Es ist bezeichnend, dass die Eplus-Netz-Angebote Simyo und Base die Tür für Discountangebote öffneten.
Das Technik-Portal Xonio widmet dem Jubiläum eini ge interessante Seiten. Dort finden Sie die besten Handies aus 15 Jahren, die Handy-Werbungen der Hersteller und allerhand weiteres Wissenswertes über die Bimmelbüchse, die bis heute einen Rest von gesellschaftlichem Sprengstoff in sich trägt. Ich erinnere nur an die Diskussion über Sendemasten.
documenta 12 – Peter Friedl: The Zoo Story
Peter Friedl: The Zoo Story. Das ist Brownie, die letzte Giraffe im einzigen Zoo im Westjordanland. Als die Israelis die Stadt stürmten, rannte Brownie mit dem Kopf gegen eine Eisenstange, fiel um und verendete. Ein Tierarzt hat die toten Tiere eingesammelt und amateurhaft ausgestopft. Peter Friedl hat Brownie als ungewöhnlichen Zeugen des Tötens im Nahen Osten auf die documenta 12 gebracht.
Keine Unschuld im Irak
Zwei im Irak eingesetzte amerikanische Soldaten sind wegen Mordes angeklagt. Die US-Regierung betont jedoch, dass die beiden als unschuldig gelten, bis ihre Schuld bewiesen ist. Ein solches rechtsstaatliches Privileg billigten die Streitkräft gerade erst 26 Irakis nicht zu. Sie wurden als „Extremisten“ über den Haufen geschossen. Keine leichte Situation für die GIs: Wenn ein gekillter Araber eine Bombe unter dem Burnus trug, gibt’s einen Orden, wenn es Bananen waren, gibt’s Handschellen. Nur: Um vorher zu fragen, fehlt den Soldaten im Alltag die Zeit.

