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Auch die Nazis essen Döner

Eröffnung der Münchener Hauptsynagoge an einem historischen Datum, dem 9. November. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber bezeichnete die „Mitbürger jüdischen Glaubens“ als eine „große Bereicherung“. Das stimmt schon: Willkommen sind uns vor allem Menschen die uns bereichern, die Computer programmieren oder mit Messer und Gabel essen können, die keine Kinder fressen und nicht auf der Straße in der Nase popeln, ganz gleich ob Christen, Juden, Muslime, Hindus oder Agnostiker. Aber in diesem „Ihr seid eine Bereicherung“ schwingt etwas Ungutes mit. Etwa: Was, liebe Italiener, sollen wir mit euch, wenn ihr keine Pizza backen könnt! Ab nach Hause! Und Ihr, liebe Juden, wenn ihr kein Geld habt, das ihr verleihen könnt, wie könnt ihr da eine Bereicherung sein? Ab nach… Ja, wohin denn eigentlich?

In diesem „Ihr seid eine Bereicherung“ schwingt etwas Kulinarisches mit. Da hängen Vorurteile in dicken Trauben in der Luft. Es ist ein abgegriffenes, altes, müdes Argument einer schlappen bürgerlichen Gesellschaft, die den Neonazis Döner Kebap schmackhaft machen will. Aber auch die Nazis essen manchmal Döner. Nicht der Döner ist für sie das Problem, sondern der Türke, der ihn verkauft. Wer gern Döner isst, muss nicht zwingend tolerant sein. Und für exotische Gerichte gibt es keine Bürgerrechte. Aber ganz genau da liegt das Problem: Menschen- und Bürgerrechte gelten auch für Menschen, die keine Bereicherung sind, die mit den Fingern essen – wie die Amerikaner -, die beim Essen rülpsen und in vollbesetzten Straßenbahnen pupsen. Neonazis schlagen keine Menschen zusammen, die die Welt eines Edmund Stoiber bereichern. Sie wagen sich nur an Diejenigen, die ihre Existenzberechtigung nicht in harter Währung ausrechnen können, genau wie wir mehr oder minder christlichen mitteleuropäischen Ureinwohner dieses Landes.

Kinderlandverschickung für Wessi-Studis

Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat die Westbundesländer aufgefordert, für ostdeutsche Unis zu werben. Das berichtet die Märkische Allgemeine aus Brandenburg. Grund sind die hohen Studentenzahlen an Westunis. Voreilig, wie ich meine. Wenn die aten Bundesländer erst geschlossen Studiengebühren eingeführt haben, wird die Ministerin bald für Heidelberg werben müssen, statt für Greifswald.

Fuchs heiratet Huhn

Der Nachhall der strategischen Allianz zwischen Novell und Microsoft in der Linux-Community ist unüberhörbar. Vor allem geht es um die Patente. Microsoft will „nicht kommerzielle“ Suse-Entwickler nicht patentrechtlich belangen. Was ist mit den anderen? Das fragt GrokLaw und weist auf die Präambel der General Public License hin, unter der auch Suse-Linux steht. Jedes Produkt, das auf Basis freier Software entsteht, muss auch wieder der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Ein Verstoß wäre es, wenn Microsoft tatsächlich Novell allein mit einem PlugIn versorgt, das das kommende XML-Dateiformat von Microsoft unterstützt. Dieses Hilfsprogramm müsste in OpenOffice eingefügt werden, das wiederum unter freier Lizenz steht. Alle Übereinkünfte haben Novell und Microsoft getroffen, ohne die Community anzuhören.
Dana Gardner von ZDNet hat ein schönes Bild für den Vorgang gefunden: Fuchs heiratet Huhn, beide ziehen in Hühnerhaus. Microsoft hat mit dem Schritt die Open-Source-Bewegung eines wichtigen Mitgliedes beraubt und sich gleichzeitig Zugang zu den Wurzeln freier Software verschafft.

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