Seite 210 von 287

Linux im Real

„The World’s Easiest Desktop Linux“! So steht es groß und breit an den Kartons. Der Discounter Real verhämmert in den neuen Bundesländern Computer mit vorinstalliertem Linux. Auch im Markt im Beetzsee-Center in Brandenburg an der Havel. Zum Einsatz kommt die Distribution Linspire, die für sich mit dem eingangs zitierten Slogan wirbt, und den Umstieg von Windows auf Linux möglichst einfach zu machen will.

Schon jetzt gebührt Real großes Lob dafür, dass sie nicht ganz groß den Preis und nur verschämt den Hinweis auf Linux anbringen. In Brandenburg sieht man schon in Höhe der Staubsauger das Linspire-Logo. Wir dürfen gespannt sein, ob das ungewohnte Betriebssystem viele Freunde findet.

Bei euch piept’s

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat einen Hörsturz erlitten. Das gibt dem deutschen Blätterwald einen willkommenen Anlass, uns allen zu erklären, was ein Hörsturz überhaupt ist. Dabei kommen natürlich die Theorien von der Durchblutungsstörung im Innenohr auf den Praxistresen. Für deren Richtigkeit jedoch gibt es keinerlei Beweis, dafür aber zahlreiche Opfer der Nebenwirkungen der Blutverdünner, die man uns in solch einem Fall verschreibt. „Nutzloses Herumdoktern auf Krankenschein“ nennt das der Tagesspiegel. Wenn die Krankenkassen diesen völlig überflüssigen Unsinn bezahlen, warum nicht auch Schröpfköpfe?

Nur ein eigenes Patent ist ein gutes Patent

Muss Ford eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung des Rades abführen? Kann ja noch kommen. In den USA muss sich der oberste Gerichtshof jetzt mit einem Patent auf den „Sofort-Kaufen“-Button herumschlagen. Das völlig unbedeutende Unternehmen MercExchange will das Auktionshaus Ebay für die Verwendung dieser Funktion zur Kasse bitten. Da können die obersten Bundesrichter schonmal üben für eine Flut ähnlicher Prozesse.

Die eigentliche Sensation versteckt sich in einem Nebensatz: Microsoft ficht da an der Seite von Ebay gegen eine einstweilige Verfügung. Begründung: Einstweilige Verfügungen behindern das Geschäft. Doch dieselben Instrumente hat Microsoft gerade wieder der Linux-Community gezeigt. Microsofts Losung lautet: Nur ein eigenes Patent ist ein gutes Patent. Man könnte jeden anderen Software-Konzern hier einsetzen.

Zurück zum Rad: Hätte man im Altertum schon das „geistige Eigentum“ gekannt, dann wäre schon das Speichenrad nie erfunden worden. Die Lizenzzahlungen an den Erfinder des Rades hätten unseren wackeren Tüftler einfach aufgefressen. Ein Automobil müsste derart viele Lizenzzahlungen an ein unüberschaubares Heer von Patentbesitzern refinanzieren, dass es für keinen außer Bill Gates erschwinglich wäre. Aber so sind die Patente: Einmal was erfunden, dann ab in die Hängematte und die Hand aufhalten. So werden Patent- zu Sozialämtern für Technologieschmarotzer.

Copyright © 2026 Wolff von Rechenberg

Theme von Anders Norén↑ ↑