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Ihr Auftrag, Mr. Bond

Was waren das für Zeiten: Der Anarchist schickt eine Briefbombe und erleidet danach den ehrenvollen Tod durch den Strang oder durch ein Erschießungskommando. Heute kommt die Briefbombe per E-Mail. Sie enthält keinen Sprengstoff, sondern fiese kleine Computerprogramme, die sich im Rechner des Angehörigen der politischen Klasse einnisten und all ihre Freunde nachholen. Betroffen: Das britische Parlament. Genauer: die Rechner von 70 Abgeordneten. Message Labs, eine Art Scotch Guard der Abgeordnetenrechner gelang es, die Botschaften abzufangen. Sie sollen von IP-Adressen in China abgeschickt worden sein. Vorsicht, Mister Bond, bevor sie jetzt ins Reich der Mitte reisen und – wie gewohnt – böse Menschen asiatischer Physiognomie liquidieren*: Der Übeltäter kann auch nebenan sitzen und über ein Botnetz die Mails verschicken.

*Liquidieren: von lat. Liquidus = Flüssigkeit. Liquidieren heißt also „Verflüssigen“?

Endlösung der Terroristenfrage

Wohin mit den Gefangenen von Guantanamo? Diese Frage beschäftigt die US-Administration proportional zur zunehmenden internationalen Kritik. Frei lassen? Da sei Rumsfeld vor! Jeder einzelne ist schließlich ein potenzieller Terrorist. Da kommt eine neue Militärrichtlinie gerade recht:Die gestattet nun auch die Exekution auf Guantanamo. Das heißt, dass die Streitkräfte zwecks Hinrichtung nun keine Gefangenen mehr ausfliegen müssten an Orte, an denen womöglich dieser leidige Rechtsstaat gilt. Damit ist der Weg frei zur Endlösung der Terroristenfrage.

Schöne neue Musikwelt

Die Arctic Monkeys haben eine neue CD veröffentlicht – ohne Plattenfirma. Heise hat diese Nachricht in den letzten Tagen verbreitet und angeschnitten, was auf der Hand liegt: Musik verbreitet sich über Podcasts und die Bands setzen durch CD-Verkauf zu anständigen Preisen auf ihren Internetseiten und während ihrer Konzerte diese Bekanntheit in klingende Münze um. Das ist nicht der Weg, auf dem Musikmillionäre entstehen. Aber auf diesem Weg kann endlich wieder ein interessanter, innovativer Musikmarkt entstehen, auf dem nicht mehr das Werbebudget zählt, sondern die Qualität; ein Musikmarkt, auf dem das Stöbern wieder Spaß macht.

Sozialismus im globalen Stil

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Wer CDs kauft, hat kein Recht zu wissen, was die darauf enthaltenen Daten mit seinem Computer anstellen. Das meinen die Musikkonzerne, und das erfährt der arglose Leser heute beim Nachrichtendienst Heise. Da fragt eine Organisation ganz vorsichtig beim Musikgiganten EMI nach, ob sie deren neuen Kopierschutz auf seine Sicherheit hin überprüfen darf. Man kann zwar noch Wochen vor einem sportlichen Großereignis unangemeldet Stadien auf ihre Sicherheit hin überprüfen. Aber CDs? Wo kommen wir denn da hin? Die Musikkonzerne haben das vorsorglich verboten. Jetzt könnte man mit dem Recht des Verbrauchers an seinem Privateigentum argumentieren. Allein der Erfolg ist fraglich, denn in der Musikindustrie lebt der real existierende Sozialismus fort.

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