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Warum kriegen wir eigentlich Kinder?

Wenn wir Eva Luise Köhler (58), die Ehefrau unseres Bundespräsidenten fragen, dann lautet eine ihrer Antworten so: „Kinder bereiten Freude und sind unsere Zukunft. Wenn wir keine Kinder mehr haben, verlieren wir den Draht in die Zukunft und werden in einer Weise geschichtslos. Ohne die Fragen unserer Kinder wäre auch unser Leben geschichtsloser. Durch ihre Fragen an uns und auch durch die Fragen an ihr Leben werden wir gezwungen, zu reflektieren.“ Zu lesen im Sonntagsblatt Bayern.
Es geht also um uns Erwachsene, nicht etwa um die Kinder. Dass das auch bei der First Lady nicht anders ist, erstaunt nicht in Zeiten, da Kinder von riesigen Plakatwänden herunter betteln: „Suche Ausbildung – Biete Zukunft!“ Dass wir ihnen keine Ausbildung verschaffen, weil sie uns wichtig sind, wissen die Kinder. Sie müssen immer etwas Gutes – besser noch Geldwertes – mit uns machen. Nicht wir sind erwachsen, sie sollen es sein. Jugend ist in der Gesellschaft der Tattergreise eine Dienstleistung. Weil aber der Kunde König ist – und seit er das immer wieder unter die Nase gerieben kriegt, auch wirklich bis unter die Haarwurzeln „geil“ – muss sich der Anbieter gleichzeitig auf dessen Werte festnageln lassen. Kaum ein Wort fällt in dem Interview häufiger als „rückbesinnen“. Da tritt einem der glückliche Landmann vors innere Auge, der seinerzeit seine Töchter bei Kerzenlicht missbraucht hat. Aber wenigstens hat man damals noch nicht davon gesprochen. Wir sind so eifrig beim Rückbesinnen, dass wir ganz vergessen haben, dass da eine Generation heranwächst, die vielleicht ja auch ein kleines Stück Zukunft gestalten will – ohne Rückbesinnung auf Zeiten, die sie ohnehin nur aus den Heidi-Romanen kennt… Und aus den Sonntagsreden der Politiker.
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Back from Elba

Oskar Lafontaine will für ein Linksbündnis zwischen PDS und WASG kandidieren. Fragen Sie mich nicht, wofür WASG steht, ich habe es vergessen.
Frage: Warum hat es in Deutschland nie eine Revolution gegeben? Weil es die deutsche Linke schon immer geschafft hat, die Massen mit verstiegenen intellektuellen Gedankengebäuden ins Koma zu langweilen.
Nun, auf jeden Fall kann Lafontaine nach dem kommenden Wahlkampf auf die gespaltene deutsche Linke ein Wort seines historischen Pendants anwenden: Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht.
Vieles spricht dafür, dass Oskar’s Eleven mit genau jenen groben Keilen arbeiten werden, die Agitatoren aller Spielart schon immer gern einschlugen. Lafontaines in der Sache undifferenzierte Kritik an der Europa-Verfassung spricht Bände.

Wenn die Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit – mit eben dieser haben wir es zu tun – sich tatsächlich Oskar Lafontaine ins Boot holt, sollte sie über einen neuen Namen nachdenken. Wie wäre es mit: IWKWADK? „Ich Will Kanzler Werden Anstelle Des Kanzlers“

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Linux: 4. Ubudingsda

Ubuntu 5.04 Hoary Hedgehog ist mein absoluter Favorit. Dieses Linux erkennt selbst die älteste Hardware auf museumreifen Notebooks, genauso wie aktuelle Machinery. Die Friede-Freude-Eierkuchen-Attitüde ist ganz bestimmt Geschmackssache, aber einen anderen Aspekt der Ubuntu-Philosophie unterstütze ich ohne Vorbehalte: Für jede Anwendung nur ein Programm! Außerdem hat sich der Distributor, Canonical aus Südafrika, die ganze Serverausstattung gespart. Ubuntu ist ein reines Desktop-System und das übersichtlichste, das ich kenne, noch dazu. Im Gnome-Desktop von Ubuntu hat man eine reelle Chance, ein Programm tatsächlich zu finden.
Sicherheits- und Programmupdates schiebt das Ubuntu-Sicherheits-Team regelmäßig rüber. Ein kleiner Button im Panel zeigt an, wenn es soweit ist – ganz wie bei Fedora. Für Multimedia-Anwendungen schaltet man einfach im Paketverwaltungswerkzeug Synaptic alle Quellen frei. Ja, Ubuntu besitzt Synaptic, weil unter der Haube ein astreines Debian-Linux steckt. Mutige Naturen können also auch Debian Repositories in die „Sources.List“ eintragen und verschaffen sich damit Zugriff auf die gewaltigen Programmreservoires dieses wohl umfangreichsten Linux-Angebots. Kleiner Tipp: Die Debian Repositories, die Knoppix nutzt, funktionieren prächtig. Aber Vorsicht! Vor einem Update muss die Debian-Quelle entweder von Hand auskommentiert oder in Synaptic deaktiviert werden, sonst versucht Synaptic ein Debian zu installieren. Ein Fehler, der mich seinerzeit zur Neuinstallation zwang.
Eine Schwäche hat Ubuntu in meinen Augen: Es setzt auf den Gnome-Mail-Standard Evolution, ein Programm, vor dem ich schon unter Fedora kapituliert habe. Offensichtlich gibt es Leute, bei denen dieses Ding funzt, meine Mails hat es jedenfalls nie verschickt. Dummerweise kann man Evolution nicht deinstallieren, ohne den Gnome-Desktop mit abzuschießen, und das wäre doch schade drum.
Genau beobachten muss die Linux-Gemeinde auch die weitere Entwicklung von Ubuntu, denn Ubuntu ist kein Community-Projekt.
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