Jetzt betreten wir die Documenta-Halle. Hier sitzen junge Menschen aus aller Herren Länder mit Kopfhörern auf dem Kopf vor Bildschirmen. Im Eingangsbereich übrigens soviel Apple, dass man meint, Steve Jobs hätte die documenta gesponsert. Außerdem befassen sich hier kluge Menschen in klugen Vorträgen um die Mittagszeit mit klugen Fragen. Zum Beispiel mit der „Zwillingsikonografie von Terrorismus und Klonen“. Oder man spürt den drei Fragen nach, unter denen documenta-Chef Roger M. Buergel seine Ausstellung begutachtet sehen möchte. Die erste lautet: „Ist die Moderne unsere Antike?“ Die anderen habe ich vergessen. Hatte ich schon erwähnt, dass man Buergel selbst über den Buergel-(i)Pod lauschen kann? Die Kasseler Sparkasse verteilt die Dinger. Vorsicht: Die Diktion des documenta-Machers vermeidet Emotion und kommt extrem sanft daher. Wer daheim Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, braucht keinen Sparkassen-Buergel-Pod im Katalog aus der Ausstellung zu schmuggeln auf www.documenta.de lassen sich die akustischen Meditationen herunterladen.
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documemta12: Adieu Fridericianum
Mit diesem Eintrag verabschiedet sich meine kleine documenta12-Galerie vom Museum Fridericianum. Morgen betreten wir die Documenta-Halle. Wer mir dabei in den Arm fallen will, weil er/sie noch ein besonders gelungenes Werk im Museum Fridericianum kennt: Das Kommentarfeld ist immer geöffnet.
Wertschöpfungsabgabe statt Arbeitgeberanteil
Der Beitrag von Arbeitgebern sollte sich nach der Bruttowertschöpfung bemessen und nicht an der Zahl der Arbeitsplätze. Das fordert der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Das würde den Rationalisierungsdruck von Unternehmen abwenden, die personalintensiv produzieren und diejenigen Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen, die wenig Personalkosten haben.
Das ganz Interview auf: www.sueddeutsche.de
documenta12: Eleanor Antin: Blood of the Poet
Eleanor Antins Poetenblut enthält genau das: Das Blut von 100 Dichterinnen und Dichtern. Das Werk stammt aus den Sechzigerjahren. Heute wäre es wahrscheinlich nicht mehr möglich, Dichterblut auszustellen, weil es längst patentrechtlich geschützt und seine öffentliche Zurschaustellung deswegen viel zu teuer wäre.
documenta12 – John Mc Cracken: Fire
Wie schon im verspiegelten Foyer, spielt John McCracken auch in einem anderen Kunstwerk im Fridericianum mit der Wahrnehmung des Betrachters. „Fire“ besteht aus sechs exakt parallel ausgerichteten Quadern an einer Wand des Raumes. Wer das Werk genau von vorn betrachtet, sieht genau das. Nur ein wenig schräg von der Seite betrachtet, scheinen die Quader fächerförmig auseinander zu streben. Das erreicht McCracken mit einem Schattenspiel durch clever eingesetztes Licht.



