Seite 192 von 287

Große Klappe, leider nichts dahinter

George W. Bush gesteht die Existenz der CIA-Geheimgefängnisse zu, und Europa sucht nach den Komplizen. Das Problem: So markig die Worte aus dem Europaparlament klingen – sie bleiben folgenlos. Vergessen wir nicht: Das Europäische Parlament ist ein Parlament ohne Land, nur mit einem Staatengebilde, das ungefähr 99,9 Prozent seiner Einwohner zum Teufel wünschen. Daran kann ein aufrechter Europäer mit Recht verzweifeln. Dass die eigenen Landsleute sich lieber von ihren eigenen Regierungen als rechtloses Gammelfleisch nach Guantanamo verkaufen lassen als endlich einzusehen, dass die Ära der Nationalstaaten vorbei ist. So wird das Europaparlament die von Washington ausgehende Juntaisierung der westlichen Welt kaum stoppen können. Natürlich haben die Europäer Recht: Geheime Auslieferungen und Folterung sind auf europäischem Boden nicht erlaubt. Allein die Geschichte zeigt, dass Vorschreiben und Tun in Europa zwei Paar Schuhe sind. Wie drakonisch ist denn Deutschland für die fortwährenden Verstöße gegen den Stabilitätspakt bestraft worden?

Eierwärmer machen impotent

Die Tage werden grauer und kälter. Wir kuscheln uns in die Decke oder an die Partnerin. Doch beim Kuscheln könnte es dann auch bleiben – bei der Partnerin, nicht bei der Decke. Und zwar für all jene, denen beim Autokauf die Grundausstattung zu spartanisch war. Die Wissenschaft warnt: Sitzheizungen beeinträchtigen die Zeugungsfähigkeit. Die normale Temperatur im menschlichen Hodensack betrage 35 Grad Celsius. Der Eierwärmer treibt diesen Wert leicht auf 38 Grad hoch. Also in Zukunft: Immer mir Eisbeutel zum nächsten Zigarettenautomaten, sonst könnte bei der Rückkehr die Familienplanung schon abgeschlossen sein.

Nordsee 2050

Hitze, Sonne, Haifische. Südsee? Weit gefehlt: In diese Richtung könnte sich unsere dröge, kalte Nordsee bald entwicklen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich die Nordsee erwärmt. Schon jetzt lägen die Lufttemperaturen an der Küste um drei Grad über den für die Jahreszeit üblichen 17 Grad Celsius. Die Anwohner freut’s. Um einen herbstlichen Badeurlaub zu biuchen, ist es 2007 aber wohl noch zu früh. Außerdem haben sich die Wissenschaftler nicht zum Wetter geäußert. Denn Cuxhavens Fluch der Karibik sind nicht Piraten, das ist der Regen.

Linux lernt Beten

headerlogo.png
Es gibt Linux-Distributionen, die sich an Desktop-Anwender richten, solche für den Server und einige spezielle zum Steuern von Flugzeugen zum Beispiel. Doch kein Sonderweg in der großen bunten Welt des freien Betriebssystems hat wohl in kurzer Zeit so viel Wirbel aus gelöst wie Ubuntu Christian Edition. Ein Linux für Christen. In der neuen Distribution soll nach Angaben des Distributors Canonical die beste christliche Software mitgeliefert werden, das Bibelstudienprogramm GnomeSword beispielsweise. Der Haken daran: Das Programm scheint derzeit nur in Englisch vorzuliegen. Grundlage ist also die King James Bible und nicht unsere Lutherbibel. Ach ja! Office-Software und dergleichen ist selbstredend auch vorinstalliert. Nur Beten müssen wir noch selbst.

So sehr der Gedanke an ein konfessionelles Betriebssystem zunächst irritiert, eigentlich war es doch nur eine Frage der Zeit, bis Linux- und Kirchengemeinde zueinander finden. Gibt es etwas Selbstloseres als freie Software? Im Falle von Ubuntu kommt noch der anfangs oft belächelte ideologische Überbau hinzu. Immerhin steht das Bantu-Wort Ubuntu südlich der Sahara für Mitmenschlichkeit.

Armer Pluto

Für viele Mitmenschen ist die Sache klar: Früher war alles viel besser. Die Rotfüchse trauern der DDR hinterher, manch einer vom anderen Ende des ideologischen Spektrums schwärmt heute noch von dem österreichischen Psychotiker weiland in Berlin und die Älteren blicken bis zum Kaiser zurück. Plutos Blick wird wehmütig zum Römischen Reich zurück wandern, und gemeint ist hier nicht der Disney-Hund. Gemeint ist der Planet, der keiner mehr ist…

Aber der Reihe nach: Seinen Namen bekam der Himmelskörper von den Römern. Pluto hieß der römische Gott des Totenreiches. Als Kepler und Kopernikus unser Weltbild so zurecht zimmerten, wie es heute noch ist, wurde Pluto ein Planet. Als solcher überdauerte er die Zeiten, sah Kaiser, Diktatoren und Despoten kommen und gehen. Dann kam die Demokratie, und ganz demokratisch durch einfache Mehrheit entschieden Wissenschaftler bei einer Versammlung der International Astronomical Union in Prag, dass Pluto kein Planet mehr sei. Scheißdemokratie, wird er gedacht haben.

Fakt ist: Die Wissenschaftler halten ihn für zu klein. Zu klein! Was ist mit allen Beteuerungen, dass es auf Größe nicht ankomme, dass ein Mann ein Mann sei, ganz egal wie klein sein Pluto sei? Und hat er denn je eine echte Chance gehabt, zu wachsen? So an den Rand gedrängt, wie er ist. Der ewige Kleine, der einsam auf der Außenbahn seine Runden dreht. Jetzt ist er nicht einmal ein Planet, sondern ein „Zwergplanet“. Was ist das anders als ein besserer Gesteinsbrocken? Armer Pluto, wir fühlen mit dir.

Copyright © 2026 Wolff von Rechenberg

Theme von Anders Norén↑ ↑