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Schilys Mantra

Eigentlich erstaunlich, dass Bundesinnenminister Otto Schily so lange gebraucht hat, sein Mantra von der dringend erforderlichen Ausweitung der polizeilichen Befugnisse anzustimmen. Immerhin liegen die Terroranschläge in Ägypten jetzt schon mehr als 48 Stunden zurück. Wie immer: Herzliches Beileid, Herr Minister, dass es wieder nicht bei uns gekracht hat. Ich bin sicher, das erfüllt Sie mit Trauer. Ziel neuer rechtlicher Regelungen soll sein, Polizei und Geheimdienste zu ermächtigen, vorbeugend aktiv zu werden. Wie man einen Terroristen erkennen kann, bevor er was verbrochen hat, verschweigt Schily (Mitgliedschaft in Terrororganisationen und dergleichen steht ja schon unter Strafe). Wenn die Polizei nach der äußeren Anmutung urteilt, können wir annehmen, dass man auch bei uns bald im Zweifel lieber einen Brasilianer zuviel als einen Pkistani zu wenig erschießen wird, wie dies in London geschehen ist. Aber, Herr Minister, wer schützt uns dann vor der Polizei. Vor allem, wenn wir nach dem Urlaub in der Ankunfthalle des Fraport stehen – braun gebrannt, die Sonnenbrille noch auf der Nase. Wer dann noch ein Handtuch um den Kopf trägt, lebt gefährlich.
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Rechtstaat ausgebombt

Dieser Mann, Magdi Mahmoud al-Nashar (33) soll die Sprengsätze von London gebaut haben. Die BBC bezeichnet den Mann in ihrer Berichterstattung von dessen Festnahme als gesuchten Chemiker. Das spricht für eine Distanz, die deutschen Medien abhanden gekommen ist. In den HR1-Nachrichten hieß er kurz: Der Bombenbauer, und der Sender verurteilte ganz Ägypten – dort wurde al-Nashar heute verhaftet – gleich mit: „Welche Rolle spielt Ägypten im internationalen Terrorismus“. Es ist dieser Unterschied in der Einstellung zum Rechtstaat, der Sorge bereitet: Otto Schily torpediert den Rechtstaat, ohne dass etwas passiert wäre. Die Briten verteidigen den Rechtstaat gegen die Bombenleger.
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Impressionen aus Marktl

Links das Ratzinger-Geburtshaus, im Hintergrund das Heimat-Museum und rechts einer der zahllosen Papst-Touristen derentwegen die jetzigen Inhaber des Papst-Geburtshauses das Anwesen fluchtartig verlassen haben. Verständlich: Wer wird schon gern beim Abwasch fofografiert. Und jeder dritte Papst-Pilger klingelt, um zu sehen, wo der Papst aufs Töpfchen gegangen ist.
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Auf den Papst! Papst Pilgerreise – auf Ratzingers Spuren

Zwei Jahre hätte Ratzinger hier nur gelebt, informiert der Wirt einer Gaststätte am Dorfplatz in Marktl die Touristen aus Westfalen. Ist ja egal, solange sie das Viererpack Papstbier mitnehmen. Und das werden sie: Sie haben bereits eine Papst-Tasche, die Papstgläser und etliche andere Devotionalien eingekauft, und sie haben das obligatorische Foto vor dem Geburtshaus von Joseph Ratzinger geschossen. Vielleicht haben sie sogar schon die Papsttorte im Café gegenüber probiert. In der Bäckerei W. Leuckert, in der die begehrten Papst-Mützen (Hefegebäck mit Rosinen) gerade ausverkauft sind, gibt es ein Buch mit Kochrezepten von Marktler Hausfrauen für Gerichte, die der bayerische Papst angeblich gern isst. Dabei wird der sich rückblickend allenfalls an den Geschmack von Babybrei erinnern, wenn der Name Marktl fällt. Der Taufstein, über dem Klein-Joseph die Taufe empfing, steht im Heimatmuseum Marktl. Wer an einer Führung teilnimmt, sollte etwas Zeit mitbringen. Der Streifzug durch die stolze Geschichte des Ortes beginnt beim Erdmittelalter. Nirgendwo sonst treibt der Kult um Benedikt XVI. so seltsame Blüten wie in Marktl.
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