Abenteuer CMS: Wechsel von WordPress zu Joomla!, Drupal, Contao, Serendipity

Seit einem halben Jahrzehnt läuft dieses Weblog nun schon unter WordPress. Da stellt sich irgendwann die Frage: Welche Alternativen gibt es? Ich habe auf Testplattformen mehrere Alternativen ausprobiert. Dies sind meine Erfahrungen mit Serendipity, Joomla!, Contao (Typolight), Drupal und das Blog-System Serendipity.

WordPress ist zum CMS gereift

Das wohl meistbenutzte Blog-System ist mittlerweile weit über seine ursprüngliche Bestimmung hinausgewachsen. WordPress ist ein feines, kleines, vielseitiges Content Management System (CMS) geworden. Parallel haben die Entwickler die größte Schwäche von WordPress allmählich behoben: Updates laufen inzwischen fast immer stabil. Einzig auf einem Windows-Server zicken WordPress-Updates immer noch häufig herum. Das liegt an der Rechteverwaltung unter Windows – nennen wir sie mal so. So beschrieb ein befreundeter Webentwickler mir gegenüber das Problem.

Fazit: wer seine Internetpräsenz mit WordPress aufbaut, ist konkurrenzlos schnell online, wechselt Designs in Sekunden, erweitert seine Seite im Handumdrehen über Plugins um neue Funktionen. Und die Seite wird gut gefunden, denn die Suchmaschinenoptimierung (SEO) von WordPress lässt sich nicht am Zeug flicken.

Damit liegen die Maßstäbe für die Konkurrenz fest. Warum sollte überhaupt jemand von WordPress zu einem anderen CMS wechseln? Probieren wir es aus.

Serendipity

Serendipity oder s9y gilt unter Bloggern als stabiler als WordPress. Mit der Bedienung kommt man schnell zurecht. Ein großes Plus: In Serendipity lassen sich Themes besser über das Backend anpassen. Wer WordPress-Themes personalisieren will, muss immer noch oft im Editor Konfigurationsdateien oder die CSS ändern. Statische Seiten lassen sich in Serendipity allerdings nur über Hinzufügen eines Moduls anlegen. Serendipity ist noch stärker Blog-System als WordPress. Für mich keine Alternative, aber für Blogger auf jeden Fall einen Blick wert.

Wenn die Anforderungen zunehmen und das Blogsystem nicht mehr reicht …

Wenn die Anforderungen wachsen, reicht das vertraute Blog-System irgendwann nicht mehr. Dann muss ein professionelles CMS her. Ich habe mir Joomla!, Drupal und Contao angesehen. Dabei kann ich nur mit ersten Eindrücken dienen. Keines der Systeme lief länger als ein paar Tage auf meiner Testplattform. Bei allen Anforderungen an die drei folgenden Kandidaten, sollte das CMS immer noch auch für den einfachen Nutzer mit soliden WordPress-Erfahrungen noch halbwegs gut zu verwalten sein. Über Installation möchte ich hier kein Wort verlieren. Alle drei CMS lassen sich so einfach installieren wie WordPress. Die Installationsroutine läuft mehr oder weniger ähnlich ab und innerhalb weniger Minuten steht das System.

Joomla! 1.7

Joomla! scheint der logische Schritt für WordPress-Nutzer zu sein, die nach neuen Möglichkeiten suchen – oder nach neuen Herausforderungen. Vorteil: Joomla! bringt alles mit, was man braucht. Plugins für alle wichtigen Dinge rund um das Publizieren im Web. Dazu gehört auch, dass das System aus dem Stand SEO-konforme URLSs erzeugt. Nicht selbstverständlich, wie wir noch sehen werden.

Eine von WordPress bekannte Eigenschaft ist das riesige Angebot von Plugins und Themes. Und wie die WordPress-Nutzer sollten sicher auch die Joomla!-Nutzer aufpassen, dass sie nicht durch Plugins Sicherheitslücken aufreißen. Auch Themes stehen in großer Zahl gratis zum Download.

Nachteil von Joomla!: Die Verwaltung funktioniert ganz anders als in WordPress. Joomla! hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet. Mit WordPress-Erfahrungen kommt man bei diesem System nicht weit, es erfordert Einarbeitungszeit.

Drupal 7.8

Drupal ist ein weiterer großer Name unter den CMS. Das freie System lässt sich wie WordPress oder Joomla! über Plugins und Themes erweitern. Die Verwaltung von Inhalten erfolgt völlig anders als in den bisher genannten Systemen. Hier aktiviert der Nutzer einzelne Module über Menüs im Backend und platziert sie über Auswahl-Menüs auf der Seite. Das klingt umständlicher als es ist. Denn innerhalb dieser Grundregeln funktioniert Drupal vollkommen logisch. Drupal bietet sich vor allem für Mehrbenutzer-Anwendungen an. Es konfrontiert den Nutzer von Anfang an mit seiner ausgefeilten Benutzer- und Rollen-Architektur.

Ich bin mit Drupal auf Anhieb gut zurecht gekommen – schneller als mit Joomla!. Schnell hatte ich meine Startseite eingerichtet und einen Testartikel veröffentlicht. Dann der Schock: Drupal erzeugt zumindest in der Standardinstallation keine SEO-konformen URLs. Das muss man über Module nachinstallieren. Dann allerdings verspricht Drupal gute SEO-Ergebnisse. Die wichtigsten SEO-Tools für Drupal listet Lopsta auf. Schade drum, denn Drupal macht Spaß. Wer es trotzdem ausprobieren möchte, sollte darauf gefasst sein, dass Updates Probleme bereiten. Das Netz ist voller Erfahrungen mit Update-Pannen bei Drupal.

Contao  2.0.1

Contao ist aus Typolight hervorgegangen. Es ist bei  der Installation etwas zickiger als die anderen Systeme.  Kleiner Tipp: Die Datenbank einfach mal umbennen. Das kann darüber entscheiden, ob Typolight sie erkennt oder nicht. Die Bedienung von Contao ist ein Vergnügen. Das ist ein geradeaus gedachtes CMS. Die Bedienung im Backend erschließt sich vergleichsweise intuitiv.

Für Contao sprechen die automatischen Updates. Nutzeräußerungen im Netz lassen erwarten, dass diese automatische Update-Funktion unauffällig und fehlerfrei läuft. Contao erzeugt aus dem Stand SEO-konforme URLs. Contao hat eigentlich nur einen gravierenden Nachteil: Wer schnell ein fertiges Theme haben will, muss zur Kreditkarte greifen. Also: Entweder  einkaufen oder selbst eine CSS schreiben.

Solange WordPress reicht, lohnt sich kein Wechsel

Mal ehrlich: Welcher Privatanwender gerät jemals an die Grenzen von WordPress? Wer sich nicht in seiner Freizeit mit anderen CMS befassen will, sollte die Finger davon lassen. Wer sich aber vielleicht auch professionell mit dem Estellen von Webseiten befassen will, ist über WordPress hinaus. Serendipity ist da kein Thema. Aber Joomla!, Drupal und Contao lassen schon auf den ersten Blick erkennen, dass sie  im Funktionsumfang weit über reine Blogsysteme wie WordPress oder Serendipity hinaus reichen. Wer weiß: Vielleicht ergeben sich ja auch bei der Arbeit mit einem dieser professionellen Content Management Systeme Ideen für neue Web-Projekte.

Wem die Verwirrung noch nicht große genug ist, der kann sich auf opensourcecms.com in die Vielfalt der Open Source CMS vertiefen.

Abbildungen: © Anbieter

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