Gestern um 17.40 Uhr in Brandenburg Hbf angekommen. Gleich darauf erfahren, dass die Bahn sich wieder nicht mit ihren Kutschern geeinigt hat. Banges Warten: Wird es morgen eine Rückfahrt geben? Oder machen streikende Lokführer die Strecke Kassel-Brandenburg zur Einbahnstraße und die Havel zum Fluss ohne Wiederkehr?
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documenta 12: Seidenstraße

Und wieder sind wir bei einem Chinesen, und wieder sind wir bei Seidenmalerei. Wie Hu Xioayuan stellt Lu Hao in „recording 2006 chang’an street“ moderne Inhalte in dieser alten Gestaltungstechnik um. Die Chang’an Straße in Chinas Hauptstadt Beijing ist eine der Hauptverkehrsadern der Metropole. Sie führt vom Platz des himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz) zur Verbotenen Stadt. Das alte China an den Rändern dieser Straße ist mittlerweile fast vollständig modernen Bürohäusern und Einkaufszentren gewichen. Lu Hao stellt in seinem Werk die Straße in ihrer ganzen Länge in schier endlosen Glasvitrinen dar. Er zeichnet sie wie sie ist, mit einer Technik, wie es sie bald vielleicht nicht mehr gibt. Sein Werk setzt dem alten China ein Denkmal, ohne es nostalgisierend darzustellen. „recording 2006 chang’an street“ ist eines von vielen sehr politischen Kunstwerken im Aue-Pavillon.
documenta 12: Siegesgärten

Die Gärten der Sieger stellt Ines Doujak im Aue-Pavillon aus: Ein 16 Meter langer Blumenkasten auf Holzstelzen. Darin hat die Künstlerin Gras und Kräuter gepflanzt. Dazwischen stecken auf Holzstäben lustige Samentütchen, wie in jedem Gemüsegarten. Aber dieser Gemüsegarten hat es in sich. Er steckt voller Hinweise auf Patente, mit denen multinationale Konzerne die Schöpfung neu ordnen: in Dein und Mein.
Sehr geehrter Wolfgang Schäuble
Sie können die Aufregung gar nicht verstehen, oder? Schließlich wollen Sie doch nur das Beste für uns! Sie, ein Verfassungsfeind? Nie! Immerhin muss es ja erlaubt sein, einmal darüber nachzudenken, ob man dem Strafrecht nicht einen nebulösen Tatbestand der Verschwörung hinzufügt. Dann räume man den Sicherheitsbehörden noch das Recht ein, so genannte „Gefährder“ vorsorglich wegzusperren (auf Helgoland?) und im Ernstfall erst den Todesschuss zu vollziehen und dann Fragen zu stellen. Aber wer sich das Recht heraus nimmt, über solche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung nachzudenken, der wird ja „reflexartig“, wie Sie sagen, des Verfassungsbruchs geziehen. Wie schön wäre es gewesen, wenn wir 1933 schon so gute Reflexe gehabt hätten! Was wäre uns da alles erspart geblieben. Und die Polen müssten ihr Stimmengewicht in der EU jetzt nicht künstlich hoch rechnen.
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documenta 12: Die Kanisterwelt des Romuald Hazoumé

Der Aue-Pavillon bietet Platz für Kunst, die anderswo auf der documenta einfach den Raum sprengt. Romuald Hazoumé ist so einer: Sein Traumboot „Dream“ (oben) steht so unübersehbar wie unmissverständlich im Raum. Natürlich ist der Traum vieler Afrikaner gemeint, die in kleinen Nussschalen die Meere zu überwinden versuchen, um ins gelobte Land Europa zu gelangen. Viele lassen ihr Leben. Aber selbst diejenigen, die mit knapper Not einer Katastrophe entronnen sind, würden es wieder probieren. Das Boot besteht aus 421 Kanistern. Romuald Hazoumé kommt aus Benin in Westafrika. Dort ist der Kanister Gebrauchsgegenstand, aber auch Statussymbol. Er kennzeichnet den Menschen, verrät seine Schichten- oder Religionszugehörigkeit. Deshalb dreht sich Hazoumés Kunst stets um den Plastikbehälter, den er sogar zu überraschend ausdrucksstarken Gesichtern verarbeitet.