Vom Netbook zum Notebook: Medion Akoya vs. Asus Eeepc

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Zwei Klassiker des Computerjahres 2008

Es gibt nur wenige wirklich Computer-Klassiker. Der Asus EeePC 700/701 ist zweifellos einer von ihnen. Im Alleingang schuf das Mini-Notebook eine ganz neue Gerätekategorie: das Netbook. Der Ansturm der Kunden war riesig, und so blieb es nur eine Frage der Zeit, bis andere Hersteller versuchen würden, auf dem großen Markt der kleinen Rechner mitzumischen. Dabei verbesserte sich die Ausstattung rasant.

Einen weiteren wichtigen Markstein setzte das Medion Akoya Mini. Anfang Juli lieferte es der Hersteller an die Aldi-Märkte aus, und innerhalb von Stunden räumten die Kunden die gesamten Bestände. Wir haben die beiden wohl gefragtesten Computer des Jahres 2008 verglichen. Wir stellten fest: Aus dem Unterwegsprovisorium Netbook ist ein erwachsenes Notebook geworden.

Vom Netbook zum Notebook

Schon rein äußerlich wird klar, dass sich der Markt geteilt hat. Dem Asus haftet der Charme eines robusten Arbeitstieres an. Das Gehäuse ist stabil, besitzt aber nicht im Ansatz die elegante Form des Medion-Gerätes. Dafür sitzt der Deckel straffer. Die Gefahr, dass er irgendwann ausleiert und auf- oder zufällt, ist beim Medion Akoya größer als beim EeePC. Die Tastatur im Medion kommt eher dem Tippgefühl auf einer „großen“ Computertastatur“ nahe. Zehn-Finger-Tipper sind hier im Element. Außerdem ist der Tastenhub beim EeePC sehr gering. In Sachen Tastatur geht die volle Punktzahl an Medion.

Schon das erste Laden des Akkus offenbart einen weiteren Unterschied. Der EeePC kommt mit einem Netzteil, wie es auch Handys beiliegt. Der Akoya gibt sich hier ganz als echtes Notebook. Das Ladegerät besitzt sogar einen Schalter, mit dem es sich aus- und einschalten lässt.

Sowohl Asus als auch Medion besitzen eine Webcam im Deckel, um Videotelefonie betreiben zu können. Die Displays bei den beiden Geräten könnten unterschiedlicher aber nicht ausfallen. Beim EeePC quetscht sich ein winziges 7-Zoll-Display zwischen die ebenfalls im Deckel eingebauten Stereo-Lautsprecherchen. Der Akoya genügt mit seinem 10-Zoll-Display auch in dieser Disziplin eher dem, was man von einem „richtigen“ Computer erwartet.

Ein richtiger Computer ist der Akoya auch im Inneren. Er besitzt eine Festplatte (80 GB) und einen aktuellen Prozessor (Intel Atom, 1,6 Ghz). Damit das installierte Windows XP flüssig läuft, hat Medion seinem Netbook 1 GB Arbeitsspeicher spendiert. Der EeePC muss mit einem mobilen Celeron-Prozessor von Intel (900 Mhz) auskommen. Eine Festplatte hat er nicht, dafür aber einen Festspeicher mit einem Fassungsvermögen von 4 GB. Ab Werk sind 512 MB Arbeitsspeicher installiert.

Trotzdem sammelt der Urahn aller Netbooks gerade in der Performance fleißig Punkte. Das installierte Linux fährt in einem Bruchteil der Zeit hoch, die das XP des Akoya braucht, und auch schneller herunter. Dank der genügsamen Hardware-Anforderungen von Linux geht das Arbeiten auf dem EeePC mindestens so flüssig wie unter Windows auf dem Akoya. An Software sind beide Netbooks gut ausgestattet. Medion setzt beim Akoya übrigens das zwischen Microsoft und Open Office fast völlig vergessene Word Perfect ein. Der EeePC kommt mit einem kompletten Open Office.

Fazit: Das Bessere ist des Guten Feind

Viel haben Asus EeePC und Medion Akoya gemeinsam: Sie sind leichte Begleiter ohne optisches Laufwerk, immer bereit, ihren Besitzer per WLAN ins Netz zu bringen. Der Akoya kostet 400 Euro, der EeePC hat einmal 300 Euro gekostet, ist aber mittlerweile um die 250 Euro zu haben. Damit hören die Gemeinsamkeiten auf. Es ist erstaunlich, was die Hersteller für eine Handvoll Hunderter zustande bringen. Inzwischen besteht kein Unterschied mehr zwischen den Netbooks und jenen Notebooks, die vor wenigen Jahren noch technisch den Stand der Dinge markierten.

Der EeePC kann sich nur mit seinen kurzen Startzeiten halten. In allen anderen Bereichen ist das Bessere mittlerweile des Guten Feind. Und Medion hat mit dem Akoya ein eindrucksvolles Beispiel dafür geschaffen, was in dieser Geräteklasse möglich ist. Natürlich eignen sich beide Geräte nicht als Ersatz für einen stationären PC oder ein erwachsenes Notebook. Doch der Akoya kommt diesem Ideal schon sehr nah.

Zum Schluss noch ein versöhnliches Wort für die Besitzer des EeePC: Der Kleine mag etwas rustikal wirken, doch er ist absolut robust. Da verwindet und knarrt nichts. Der Bildschirm sitzt auch nach vielen Monaten noch so straff wie am ersten Tag. Zumindest darin scheint der Eeepc seinem moderneren Enkel überlegen zu sein. Außerdem kann nur ein PC der Pionier sein.

Den Eeepc 701 4G wird man dereinst in einem Atemzug mit dem Commodore Computer, mit dem iMac und anderen klassischen Computern genannt werden. Sein Erfolg hat eine ganze Industrie zum Umdenken gebracht. Schneller, höher, weiter war gestern. Heute ist bequem, klein, mobil und günstig. Ohne den Ansturm auf den EeePC hätte es keinen Medion Akoya gegeben.

Und was soll das Klagen? Eignet sich der kleine PC nicht ganz hervorragend für alles, für das er konstruiert wurde? Mailen, Surfen, Bloggen, Chatten?

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